Sukkot

Von
Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender
S
U K K O T
Uschpizin Aktivitäten
Einführung
Die Uschpizin sind
die sieben himmlischen Gäste, die nach jüdischer Tradition jede Sukka
besuchen. Die Uschpizin sind: Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Moses, Aaron und
David. Der Ursprung dieser Visitation findet sich in einem Vers des Buches Zohar:
Wenn
jemand in der Sukka sitzt, dann sind Abraham und sechs ausgezeichnte Besucher
seine Gesellschaft."
(Zohar 5,103b)
Jedem der himmlischen
Gäste ist ein Tag gewidmet. Die Tradition schreibt vor, daß jeden
Abend der eintretende Gast begrüßt wird:
Möge
es dein Wille sein, Gott und Gott unserer Väter, daß deine Göttliche
Gegenwart in unserer Mitte ruhe. ... Ich lade unseren geehrten Gast ein, Abraham
...
Dieser Brauch wurde
zuerst von den Kabbalisten gepflegt, später von den Chassidim. Er wurde
von zahlreichen orthodoxen Gruppen übernommen. Die Rabbinen betonen, um
diese sieben, ausgezeichneten Gäste zu ehren, müsse man auch Gäste
aus "Fleisch und Blut" einladen, auch Arme.
So wurde die Tradition
entwickelt, einen bedürftigen Jeschiwastudenten einzuladen, am Mahl in
der Sukka teilzunehmen.
Zu den Sukkadekorationen
gehört auch eine Plakette mit den Namen der Uschpizin.
Aktivitäten
Die Gruppe wird
in sieben Teams aufgeteilt zu je drei bis fünf Teilnehmern. Jede Gruppe
repräsentiert einen himmlischen Gast.
Jedes Team erhält
den Text mit der Beschreibung des jeweiligen Charakters und eine Bibel, um die
Informationen zu vervollständigen. Das Team studiert das Leben und die
Eigenschaften des Charakters und wählen einen Vertreter, der die Figur
präsentiert. Der Vertreter kann sich verkleiden, um dem Charakter besser
ähnlich zu sein, um ihn zu "verinnerlichen".
Nun kann man eine
Anzahl Spiele erfinden:
Portrait-Spiel
- Klassische
oder chinesische Portraits
- Jeder
Uschpiz sucht sich fünf Bibelverse, die sich auf ihn beziehen und rezitiert
sie für die anderen Teams. Das erste, das den Gast erkennt, gewinnt.
Jede erfolgreiche Antwort ist Punkte wert und zwar immer um einen weniger
als für die vorhergehende Antwort. (Man kann mit fünf Punkten für
die erste Antwort beginnen, die zweite bringt vier Punkte usw.)
- Presse
Konferenz: Dem Uschpiz werden Fragen über gegenwärtige Ereignisse
gestellt. Nach der Art seiner Antworten muß seine Identität erraten
werden.
Pressekonferenz
- Wenn
alle Uschpizin erraten wurden, treten sie nacheinander vor. Die Gruppe darf
Fragen stellen, die sich auf das Leben, wie es in der Bibel erzählt wird,
beziehen. Zum Beispiel kann man Abraham fragen: "Wie konntest du der Opferung
deines Sohnes Isaak zustimmen?"
- Jeder,
der eine sinnvolle Frage stellt, bekommt einen Punkt. Wenn der Uschpiz keine
zufriedenstellende Antwort geben kann, erhält der Fragestelle einen weiteren
Punkt.
Wahlkampf
Jedes Team ist
das Hauptquartier einer politischen Partei und muß seinen Kandidaten zum
Beispiel als "Präsident des jüdischen Volkes" fördern.
Vorbereitung
Die Teams benutzten
folgende Fragen, um ihren Wahlkampf aufzubauen:
- Welche
Hauptvorteile kann der Charakter dem jüdischen Volk heute bringen?
- Welches
sind die besten Argumente, um diese Qualitäten bekannt zu machen?
- Welche
Schwachpunkte hat er, wie könne sie im Rahmen der Wahlkampagne gerechtfertigt
werden?
Jede Partei bereitet
eine Wahlrede vor, die dann vom Kandidaten gehalten wird, ebenso Slogans, Posters
und Anstecker. Das Team kann auch ein Lied komponieren und aufnehmen.
Präsentation
Wenn die Parteien
fertig sind, kommt die Gruppe wieder zusammen und die Teams präsentieren
die Kandidaten. Dies sollte zehn Minuten dauern, danach werden die Kandidaten
befragt.
Es sollte den Teilnehmern
klar gemacht werden, daß Wahlfreiheit herrscht: sie müssen nicht
den eigenen Kandidaten wählen, wenn sie ein anderer mehr überzeigt
hat. Dann werden sieben Wahlurnen mit den Namen der Kandidaten verteilt, und
es wird gewählt.
Danach werden die
Resultate auf einer Tafel veröffentlicht.
Analyse der Resultate
Diese Aktivität
schließt damit, daß die Gruppe gemeinsam die Resultate analysiert:
- Was
lernte die Gruppe während des Spieles über die Uschpizin? Folgten
die Präsentationen dem, was die jüdische Tradition lehrt?
- Was
verhalf dem Gewinner zum Wahlsieg? War seine Wahlkampagne besser als die der
anderen? Oder war die Gruppe von seinem Charakter am meisten überzeugt?
- Wie
beantwortet der Wahlsieger die Fragen, die das jüdische Volk heute stellt?
Dilemmata
Die bestehenden
Teams werden nun aufgelöst und neue Teams gebildet. Nur diejenigen, welche
die Uschpizin darstellten, behalten ihre Rollen.
Jedes neue Team
bekommt ein Problem gestellt, mit dem das jüdische Volk heute konfrontiert
ist, und verpackt es in einen Sketch. Jedes Team spielt seinen Sketch vor.
Der Name eines
Uschpiz wird gezogen, er geht auf die Bühne und diskutiert mit den Darstellern
das vorgestellte Dilemma. Er bietet eine Lösung an.
Wenn die Diskussion
nur schwach vorangeht, kann sich der Gruppenleiter als Assistenz-Uschpiz einschalten.
Probleme
- Die
Familie ist um dem Schabbattisch versammelt. Plötzlich steht eines der
Kinder auf und verkündet, es wolle jetzt ausgehen, da es von Freunden
in eine Diskothek eingeladen worden sei. Der Vater wird um Geld gebeten. Wie
reagiert die Familie?
- Das
neue Schuljahr beginnt zu Rosh haShana. Sollen jüdische Schüler
an diesen Tagen in die Schule gehen oder nicht?
- Sederabend.
Ein Nichtjude wurde eingeladen, und er macht antisemitische Anspielungen.
Wie reagiert man?
- Ein
Sohn, eine Tochter möchte gerne ein bestimmtes Vorbereitungsprogramm
für eine Höhere Schule besuchen, wird aber nur in einer nahegelegenen,
christlich dominierten Schule akzeptiert. Erlauben es die Eltern?
- Der
Geographielehrer bereichert seine Stunde mit anti-israelischen Bemerkungen.
Wie soll man reagieren?
- Eine
Tochter teilt eines Tages mit, sie treffe seit zwei Jahren einen Nichtjuden
und sie gedenke, ihn zu heiraten. Sie will aber auf keinen Fall dem Judentum
entsagen. Was kann man ihr raten?
- Ein
Jugendlicher in der Familie ist Madrich einer Jugendbewegung und hat zugestimmt,
sich um die Vorbereitungen zur Jahresabschlußfeiern zu kümmern.
Das ist ein wichtiges Ereignis, das immer viele Spenden und neue Mitglieder
einbringt. Aber auch das Abitur (die Matura) naht. Was soll er machen?
- Der
Sohn hat gerade maturiert und kann auf die Universität gehen. Er teilt
seiner Familie mit, er wolle nach Israel gehen, um dort gemeinsam mit seinen
Freunden den Militärdienst zu leisten. Wie reagiert die Familie?
Runder Tisch
Am Runden Tisch
nehmen nur die Uschpizin teil, die anderen Teilnehmer fungieren als Publikum.
Die Uschpizin werden in zwei Gruppen geteilt:
A: Abraham, Joseph,
Moses
B: Isaak, Jakob, Aaron, David
Der Leiter gibt
jeder Gruppe ein Problem, das diskutiert werden soll. Die Gruppe studiert das
Problem und bereitet die Debatte vor. Die Probleme beziehen sich auf die gegenwärtige
Situation des Judentums:
- Wie
soll man Assimilation bekämpfen?
- Wie
sollen sich Juden auf den Staat Israel beziehen?
- Definiert
sich das Judentum selbst als Religion?
- Kann
man heute von einem "jüdischen Volk" sprechen?
Gruppe A beginnt
und jeder Uschpiz stellt das Problem aus dem Gesichtspunkt seines Charakters
vor. Unter den Teilnehmern soll eine Diskussion entstehen, wenn nicht, kann
der Leiter einigreifen und die Diskussion in Gang bringen. Am Ende (nicht mehr
als 20 Minuten) wird das Publikum eingeladen, Kommentare abzugeben und Fragen
zu stellen.
Dasselbe spielt
sich auch mit Gruppe B ab. Zwischen den Diskussionen kann es eine kleine Verschnaufpause
mit Erfrischungen geben.
Die Uschpizin und Sukkot
Diskussion
Warum lädt
die kabbalistische Tradition ausgerechnet diese biblischen Personen in die Sukka
ein und andere nicht?
Dies kann Gegenstand
einer Diskussion oder eines gespielten Prozesses sein (je nach Alter der Teilnehmer).
Wir können zwar nicht alle Argumente ausreichend behandeln, schlagen aber
folgende Richtlinien vor. Zusätzlich können Texte zur jüdischen
Philosophie verwendet werden.
- Nach
der Kabbala personifiziert jeder Uschpiz eine von den sieben Sefirot oder
Göttlichen Eigenschaften:
- Abraham
- Chessed (Güte)
- Isaak -
Gevura (Mut)
- Jakob -
Tif'eret (Herrlichkeit, Ruhm)
- Joseph -
Jessod (Essenz)
- Moses und
Aaron - Hod, Netzach (Vortrefflichkeit, Ewigkeit)
- David -
Malchut (Königtum)
Jeder
Uschpiz verkörpert einen Aspekt menschlicher Vervollkommnung. Gemeinsam
bilden sie das Ideal eines vollkommenen Menschen.
Die
Uschpizin repräsentieren die jüdische Geschichte:
Vergangenheit:
die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob. Die Entstehung des Volkes, die Nachkommen
Jakobs, die ein "großes Volk" wurden.
Gegenwart:
Moses und Aaron. Diese beiden Uschpizin offenbaren die Tora und ihre Gebote,
die unseren Alltag beeinflussen. Es obliegt uns, die Tora heute zu erfüllen,
um als Juden individuell als Volk zu existieren.
Zukunft:
Joseph und David. Sie bringen uns das messianische Zeitalter. Der Boden dafür
wird von dem einem oder mehreren Messiassen, die von Joseph abstammen bereitet.
Geführt wird das Zeitalter vom Messias aus dem Haus Davids.
Sukkot
ist das letzte Wallfahrtsfest des jüdischen Jahres, und auch das Schicksal
des jüdischen Volkes wird besiegelt. (Hoshana Rabbah) Nach Sukkot folgt
sofort Simchat Tora, der jährliche Zyklus der Toralesung wird beendet und
neu begonnen. Sukkot ist daher auch die geeignete Zeit, das zukünftige
Schicksal zu überdenken.
Daher braucht jeder Mensch die Unterstützung von sieben Archetypen des
Judentums, als Vorbild in ihrer Suche des eigenen Weges.
Sukkot
ist das Fest der Freude. Die Juden haben ihre Ernte eingebracht und danken dem
Ewigen für das gute Jahr, das zu Ende geht. Sie feiern diese Freude sieben
Tage lang in der Sukka, um für das kommende Jahr Kraft zu sammeln. Diese
Freude wäre ohne die Teilnahme dieser sieben Persönlichkeiten unvollkommen.
Jeder will ihrer würdig sein.
Sie werden in der Sukka symbolisch empfangen und sind die erhabensten Gäste,
die man willkommen heißen kann.
Varianten
Die Liste der Uschpizin
kann, je nach Interesse der Gruppe, modifiziert werden. Man auch auch ein feminines
Element hinzufügen, indem die Uschpizin als Paar auftreten: Abraham und
Sara, Isaak und Rebekka, etc.
Übrigens, Aarons Frau hieß Elisheva (Exodus 6,23)
Einige Uschpizin können auch durch biblische Heldinnen ersetzt werden:
Miriam, Ruth, Deborah, Esther.
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