Sukkot

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender

 

S U K K O T

Sukkot im Laufe der Jahrhunderte

Älteste Ursprünge

Abraham

Das um 130 v.d.Z. entstandene Jubiläenbuch behauptet, Sukkot sei bereits lange vor der Übergabe der Tora entstanden und der Begründer des Festes sei Abraham gewesen:
Als er in Beersheva lebte, stellte er seine Zelte auf und setzte eine Zeremonie ein, die sich rund um diese Zelte abspielte. Er errichtete einen Altar, umkreiste ihn und betete dabei.

Und Abraham baute für sich und seine Diener im siebenten Monat Sukkot. Er war der erste, der Sukkot im Heiligen Land feierte.
(Jubiläenbuch 16,26)

Das Buch stellt fest, diese Feier sei die Inspiration für die Sukkotvorschriften der Tora gewesen.

Jakob

Es gibt auch eine alte Legende, die auf Genesis 33,16 und 17 beruht:

Und so kehrte an demselben Tage Esau zurück seines Weges nach Sëir (wörtl. "Ziege"). Und Jakob brach auf nach Sukkot ...

In dieser Legende repräsentiert Esau Sünde und Versuchung und Sëir steht für den Jom Kippur. (Leviticus 16 gibt die Vorschrift des Ziegenbockes für jom Kippur.)

Als Seër, Jom Kippur seinen Abschied nahm, kam Jakob nach Sukkot. Dies ist der Ursprung des Brauches, sofort nach dem Ende von Jom Kippur mit dem Bau der Sukka zu beginnen.

Auch ein Midrasch erzählt uns, daß Jakob nicht nur Sukkot hielt, sondern auch Schmini Atzeret einsetzte.

In den Tagen des Ersten Tempels

In dieser Zeit wurde Sukkot als Höhepunkt betrachtet und erhielt daher den Namen "HaChag" - "das Fest". König Salomon wählte Sukkot als Gelegenheit, den Tempel einzuweihen. (I Könige 7,2)

Esra und Nehemia lehrten jenen, die nach Zion zurückkehrten, Sukkot zu bauen. Abgesehen von der Mitzwa der Sukka, die uns die Tora vorschreibt (sie wollten einen neuen Staat auf der Grundlage der Tora), waren sie bemüht, einiges von der Größe vergangener Zeiten einzufangen. Und Sukkot mit seinem reichen Zeremoniell konnte diese Atmosphäre verleihen.

Die Bibel berichtet, wie jene, die heimkehrten, mit Begeisterung mitarbeiteten, das Fest feierten, als ob der Ruhm früherer Tage zurückgekehrt sei.

Die Zeremonie des Wasseropfers

Wer die Freude beim Wasserziehen nicht erlebt hat, hat sein ganzes Leben lang keine wirkliche Freude gesehen.
(Sukka 53b)

Zeremonie

Diese Passage bezieht sich auf eine Zeremonie für den Segen des dringend erforderlichen Regens in Eretz Israel.

Zusätzlich zur farbenprächtigen Prozession in den Tempel, bei der die Betenden Lulaw und Etrog trugen und Hallel rezitierten, gab es an jedem der sieben Tage am Morgen ein Wasseropfer.

Die Mischna berichtet, daß ein junger Priester an der Quelle von Shilo (Teich Siloa) ein goldenes Gefäß mit Wasser füllte und es zum Wassertor trug, wo die Prozession von den Priestern mit drei Schofartönen begrüßt wurde.

Der amtierende Priester leitete dann eine Fackelprozesseion zum Tempel, stieg zum Altar hinauf und wandte sich nach links (Westen), wo zwei silberne Becken standen: eines für Wein und das andere für Wasser. Das Volk brach in jubilierendes Singen und Tanzen aus. Man wünschte einander:

Möge der Ewige Zion segnen, damit wir die Güte Jerusalems alle Tage unseres Lebens sehen.

Als der Priester daran ging, das Wasser in das Becken zu gießen, rief ihm das Volk zu: "Erhebe deine Hand!" Denn einst hatte sich Alexander Jannaeus (103-76) beleidigt gezeigt, da ihm Wasser auf die Füße spritzte. Daraufhin bewarfen ihn die Umstehenden mit den Etrogim.

Ursprung

Das Wasseropfer hat keine biblische Unterstützung.

Rabbi Nehunja sagte, die Vorschrift sei Moses am Sinai von Gott gegeben, aber nicht aufgeschrieben worden.

Wissenschaftler erklären, es habe bei vielen Völkern den Glauben gegeben, Wasser zur Zeit der ersten Herbstregen auszugießen, würde den Regen magisch anregen.

Das Judentum toleriert einen solchen Aberglauben nicht und übertrug eine alte Tradition der Völker in den Tempeldienst, und das Wasseropfer wurde ein Symbol des Regens.

Die Rezitation des Gebetes um Regen begann zur Zeit des Zweiten Tempels.

Feierlichkeiten im Tempel

Das Licht war so hell, daß es schien, es sei Tag und nicht Nacht.

Der Talmud gibt eine lebhafte Darstellung der Festlichkeiten am Ende des ersten Tages.

Große Leuchter wurden im Vorhof der Frauen aufgestellt. Jeder Kandelaber trug vier Schalen, in jeder befanden sich 28,5 Liter Öl. Zweige und Gürtel der Priester dienten als Dochte. Junge Priester stiegen auf Leitern und gossen Öl aus Kannen in die Becken. Das Licht war soll hell, daß es schien, es sei Tag und nicht Nacht.

Für das Publikum wurden an drei Seiten des Hofes Galerien errichtet. Auf der oberen saßen die Frauen, auf der unteren die Männer, wegen des "Leichtsinns" dieser Gelegenheit.

Männer, die sich in ihrer Gemeinde durch ihre Reinheit und ihren Charakter auszeichneten, tanzten mit Fackeln und rezitierten passende Verse, in denen Gott gepriesen wird. Im Traktat Sukka wird uns berichtet, Rabban Simeon ben Gamaliel war so geschickt, daß er mit acht Fackeln hantieren konnte. Keine fiel hinunter, wenn er sich auf die Erde hinstreckte, seine Finger den Boden berührten oder wenn er ihn küsste, wenn er sich niederbeugte oder plötzlich aufsprang. (Sukka 53a)

Es gab ein Orchester, bestehend aus vielen Instrumenten, die von den Leviten gespielt wurden. Sie standen auf den fünfzehn Stufen, die vom Vorhof der Israeliten zum Vorhof der Frauen hinab führte. Diese fünfzehn Stufen beziehen sich auf die fünfzehn "Schir HaMa'alot" - "Stufenlieder" im Buch der Psalmen. (120-134)

In einer Prozession schritt man durch den Vorhof der Frauen. Die Prozession begann mit einem von zwei Priestern gespielten Posaunensignal und sie bewegte sich zu den Posaunentönen zum Tor, das sich nach Osten öffnete. Dort wandten sie sich nach Westen, um den Ewigen anzubeten.

Im Mittelalter

Bedeutung

Im Mittelalter brachte die Sukka die Atmosphäre des offenen Landes in die engen Ghettos. Die grünen Blätter repräsentierten die Felder und Obstgärten des Heiligen Landes, nach dem sich die Juden sehnten und für das sie beteten.

Einige Zeit vor Sukkot hielt der Rabbiner eine Predigt über die Vorschriften. Gelehrte Gemeindemitglieder beaufsichtigten zwischen Jom Kippur und Sukkot den Bau der Hütten. Familien schlossen sich zusammen und teilten eine Sukka miteinander.

Besondere Bräuche

Die mittelalterliche Sukka wurde mit Früchten dekoriert, die die Bibel als im Heiligen Land vorkommend erwähnt. So wurde Eretz Israel in die Sukka gebracht.

Es war oft schwierig, einen Etrog zu erhalten, der alle Erfordernisse erfüllte. Die Entfernungen zwischen den Ländern, in denen der Etrog gedieh, und den Ghettos Europas waren beträchtlich, und Reisen war nicht leicht. Die Menschen legten lange Strecken zurück, um die begehrte Frucht zu ergattern.

Der christliche Hebraist Johannes Buxdorf (1564-1629) berichtete, er habeeine mit Eiern dekorierte Sukka gesehen. Auf den Eierschalen waren Verse, die sich auf Sukkot beziehen, geritzt. Buxdorf war sich über die Herkunft dieses Brauches nicht klar.

In einigen Gemeinden ist es üblich, jeden Abend eine Kerze zu Ehren der Uschpizin, der himmlischen Gäste, zu entzünden.

Es war auch Brauch, zu Sukkot besonders wohltätig zu sein, um es auch den Armen zu ermöglichen, eine entsprechende Sukka zu bauen.

Ein als "Zanzer" bekannter chassidischer Rabbi (gest. 1876) wurde gefragt, warum er auf besonderer Wohltätigkeit für die Sukka bestand. Er antwortete: "Wir müssen die Sukka verehren und schmücken. Welchen schöneren Schmuck kann es geben, als jenen, die keine Mittel haben, sich an der Jahreszeit der Freude zu beteiligen, Wohltaten zu erweisen?"

In moderner Zeit

In westlichen Ländern wurde die Sukka ein wichtiger Bestandteil der heutigen jüdischen Gemeinden. Die Gemeinde-Sukka hat eine große Anziehungskraft, sie ist ein Zentrum, in dem sich nach dem Gottesdienst die Mitglieder zum Kiddusch treffen.

Die Gemeindesukka ersetzt immer mehr die private. Leute kommen zusammen, aber die Bräuche werden aus der Familie herausgenommen. Einerseits haben Menschen, die in Wohnungen leben und noch nie eine eigene Sukka gebaut haben, die Möglichkeit, die Mitzwa des Sitzens und Essens in der Sukka zu erleben. Andererseits mögen viele nicht länger das Bedürfnis haben, eine eigene Sukka zu errichten.

In Israel ist die Situation eine andere. Ob das Wetter mild ist oder heiß, Sukkot stehen auf Balkonen, Plätzen, vor Restaurants. Einfach zu bauende Sukkot sind bequem, ein Regenschutz ist (meistens) nicht nötig. Das "S'chach", das man braucht, um das Dach der Sukka zu decken, wird mit Lastautos herangeschafft und einfach auf die Straße gelegt, wo sich jeder holen kann, soviel er möchte.

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