Sukkot

Von
Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender
S
U K K O T
Die "Vier
Arten"
Ursprung
Palme
Die Dattelpalme ist in der Wüste Sinai heimisch. Wo es in der Tiefe Quellen
gibt, findet man auch Dattelpalmen, sogar wenn es an der Oberfläche keinen
Hinweis auf Wasser gibt.
Die Nomaden auf der Sinai bauten aus den Palmzweigen Hütten. Sogar heute
kann man solche Sukkot, wie sie die Tora (Lev. 23, 43) beschreibt, sehen:
Damit es eure Geschlechter erfahren, daß ich in Hütten
habe wohnen lassen die Kinder Israel, da ich sie herausgefürt aus dem
Lande Mitzrajim.
Die Nomaden lebten in der Jahreszeit des Sukkotfestes in Hütten - am Ende
des Sommers, wenn Weideland in der Wüste selten geworden ist. Aus den reifen
Datteln bereiteten sie Honig oder trockneten sie für das restliche Jahr.
Die Dattelschalen benutzten sie als Futter für die Kamele. Die Palmwedel
- große, starke Blätter - spendeten Schatten in der Wüstenhitze.
Sogar die Fasern, die sich um den Stamm winden, wurden verwendet, man band Bündel
zusammen oder webte Taschen aus ihnen.
Der Palmwedel wurde als Teil der "Vier Arten" ausgewählt, da er uns an
die frühe Zeit unserer Geschichte erinnert, als unsere Vorfahren in der
Wüste wanderten und die Produkte der Dattelpalme jeden Tag benutzten.
Nachdem die Juden die Wüste Sinai durchquert hatten, kamen sie an das
Ufer des Jordan. Auf beiden Seiten des Jordan gibt es eine reiche Vegetation,
ein auffallender Kontrast zur Wüste.
Die Bachweide
Bachweiden wachsen am Ufer des Jordan, ebenso an anderen Flüssen und Gewässern,
die in Tote Meer münden, und am Euphrat in Babylonien. Als die Israelitien
unter Josua den Jordan überschritten, wurde ihnen befohlen, zwölf
große Steine aus dem Fluß zu nehmen, und am anderen Ufer als Denkmal
des Ereignisses aufzustellen. Daher nehmen wir auch an, daß den Israeliten
auch aufgetragen wurde, Bachweidenzweige zu wählen, um sie den Arba'a Minim
zuzufügen.
Die Myrthe
Als die Israeliten das Land Kanaan betraten, sahen sie, daß weite, mit
dichtem, dornigem Gestrüpp bedeckte Bergregionen unwohnte und unkultiviert
waren. Es war schwer, diese Gebiete zu durchdringen. Ephraim beklagte sich,
es sei nicht genug Land vorhanden, und Josua schlug vor:
Wenn du ein zahlreiches Volk bist, zieh in das Waldgebiet hinauf
und rode für dich den Wald des Landes.
(Josua 17, 15)
Dies erklärt, warum die Israeliten dem Palmwedel und der Bachweide noch
eine Art beigaben: Etz Avot - "ein dicker Baum" aus den Wäldern, um an
die Frühzeit ihrer Besiedlung zu erinnern, als weite Gebiete des Landes
mit dichten Wäldern bedeckt waren.
Der Etrog
Es gab Weinberge, Obstgärten
und Oliven im Überfluß. Der "Pri Etz Hadar", die majestätische
Frucht, die im Buch Leviticus erwähnt wird, symbolisiert die Schönheit
der Fruchternte am Ende der Jahreszeit, zu Sukkot.
In den "Vier Arten" von
Früchten und Pflanzen, die zu Sukkot verwendet werden, liegt ein historischer
Symbolismus.
Die Periode des Einbringens der "Bikkurim" - der ersten Früchte" - nach
Jerusalem beginnt zu Schawuot und endet am ersten Tag des Laubhüttenfestes.
Die Tora befahl den Israeliten, den Anfang und das Ende der Fruchternte zu feiern.
Zu Schawuot brachten sie die ersten Bikkurim nach Jerusalem, und zu Sukkot wählten
sie eine vollendete und majestätische Frucht - Pri Etz Hadar.
Der Etrog symbolisiert die großartigen Errungenschaften der israelitischen
besiedlung. Als die Bikkurim im Tempel präsentiert wurden, rezitierte man
aus der Tora und blickte auf die Frühgeschichte unseres Volkes. Der Etrog
wurde den drei Pflanzenarten hinzugefügt, um an verschiedene wichtige Perioden
von Israels Geschichte zu erinnern:
- Die Wanderung in der
Wüste Sinai;
- Die zeitweilige Besiedlung
des Jordantales;
- Die Landnahme;
- Die Rodung der Wälder;
- Die Kultivierung des
Bodens für den Ackerbau.
Warum gerade diese Arten?
In viel späteren Generationen,
mehr als tausend Jahre nach der Besiedlung des Landes durch unser Volk, wurden
Mischna und Talmud zusammengefasst. Die Weisen israels definierten detailreich
die Beobachtung der biblischen Instruktionen bezüglich des Sukkotfestes.
- Statt des Palmwedels
allein setzten sie die Verwendung des Lulaw ein, des jungen Palmblattes.
- Statt irgendeiner Art
eines dicken Baumes nahmen sie die Myrthe und
- statt irgendeiner Art
einer "majestätischen" Frucht schrieben sie den Etrog vor.
- Unsere Weisen unternahmen
auch große Anstrengungen, um zu erklären, welche Art der Bachweide
den Vier Arten zugefügt werden soll.
Der Lulaw
Der Lulaw wächst an
der Spitze der Dattelpalme, aus ihrem Herzen - der Ursprung des hebräischen
Wortes "Lulaw". Das hebräische Wort "Lew" - "Herz" ist leicht im Wort "Lulaw"
zu finden.
Bei vielen Völkern
war der Lulaw ein Siegeszeichen. Unsere Weisen sahen in ihm ein Symbol von Israels
Sieg über seine Feinde, aber auch einen Sieg über die eigenen Übertretungen.
Am Jom Kippur hält der Ewige Gericht und garantiert denjenigen, die aufrichtig
bereuen, das Weiterleben.
Die Bachweide
Es gibt zwei Arten der Bachweide,
die als "kascher" oder passend für Sukkot und die Mitzwa der "Arba'a Minim"
betrachtet werden.
Der Baum wächst an
den Ufern von Flüssen und ist in vielen Teilen der Welt heimisch. Aber
die Bachweiden, die am Jordanufer wachsen, sind anders. Sie haben verschiedene
Blattformen und wachsen nur in der Nähe von viel Wasser, andererseits überlebten
sie nicht.
Wegen dieser Abhängigkeit
von Wasser besassen die Bachweidenzweige noch eine weitere symbolische Bedeutung:
sie wurden mit dem Gebet, in dem Gott angefleht wird, Israel vor einem trockenen
Jahr zu bewahren, verbunden. Das Sukkotfest findet vor dem Beginn der regenreichen
Jahreszeit statt. Das Schicksal der Ernte ist zur Gänze von den Winterregen
abhängig. Daher wird ab dem Ende des Sukkotfestes bis zum Beginn von Pesach
täglich die Bitte um Regen in das Schmone Essre Gebet eingefügt.
Die wichtigste Zeremonie,
in der diese Zweige benutzt werden, wurde für den siebenten Tag von Sukkot,
Hoshanah Rabbah, festgelegt.
Die Myrthe
Die Tora erwähnte die
Myrthe nicht mit ihrem Namen, sondern bezieht sich auf sie allgemein als "dicker
Baum". Warum dachten unsere Weisen, die Myrthe sei damit gemeint?
Die Myrthe wächst in
Bergwäldern, sie hat viele Zweige, die von einem dicken Stamm ausgehen.
Daher ist es angebracht, sie, wie viele andere Bäume im Wald, als "Etz
Avot" -"dicken Baum" zu bezeichnen.
Die Blätter enthalten
ein wunderbar duftendes Öl. Darum bleibt die Myrthe lange frisch. Sie ist
auch die beste Vertreterin der Parfumherstellung in Israel.
Ihre Geradheit und Frische
erklären, warum die Myrthe im antiken Nahen Osten als Symbol des Fortbestandes
des Lebens und sogar der Unsterblichkeit galt. Um die Särge wurden oft
Myrthenzweige gebunden.
Aber Myrthen wurden auch
bei glücklicheren Anlässen benutzt, als Dekorationen bei Hochzeiten.
Vielleicht wurde Esther, die Heldin der Purimgeschichte, wegen der Verbindung
zwischen der Myrthe ("hadass" auf Hebräisch) und dem Abendstern, der Venus,
Hadassah genannt. Daher wurde die Myrthe auch ein Symbol für Wohlstand
und Erfolg im Leben.
Dieser symbolische Wert
der Myrthe wird mit der Bachweide verbunden, die die Hoffnung des Bauern auf
Erfolg im kommenden Jahr ausdrückt: "Ana HaShem Hoschia Na, Ana HaShem
Hatzlicha Na."
Der Etrog
Warum setzten die Rabbinen
den Etrog als Pri Etz Hadar - als majestätische Frucht zu Sukkot ein?
Der Etrog wuchs nicht in
Israel zur Zeit der frühen Besiedlung. Er kam aus einem fernen Land in
Asien, über Indien und Persien, und wurde in Israel erst zur Zeit des Zweiten
Tempels kultiviert, die erste Zitrusfrucht, die in der Ebene, wohin sich die
Bevölkerung verlagert hatte, angebaut wurde.
Das Tal der Küstenregion
eignet sich besonders für den Anbau von Zitrusfrüchten, hier befinden
sich auch die Obstplantagen des modernen Israel.
Die Etrogblüte hat
einen langen Griffel, der aus der Blume herausragt. Der Etrog ist die einzige
Frucht mit einem solchen Griffel, und die Narbe (der oberste Teil des Griffels)
fällt nicht ab, nachdem die Frucht zu wachsen und zu reifen beginnt.
Dieses außergewöhnliche
Phänomen macht aus dem Etrog ein Symbol der Fruchtbarkeit.
Nun verstehen wir, warum
die Mischna fordert, daß der Etrog, um für die rituelle Verwendung
zu Sukkot geeignet zu sein, mit einem "Krönchen" ausgestattet sein muß.
Die Etrogbäume werden mit einem Gitter vor dem Wind geschützt, damit
das "Krönchen" nicht weggeweht wird.
Daher ist der Etrog der
beste Repräsentant eines Pri Etz Hadar, der majestätischen Baumfrüchte.
Indem er zu den Vier Arten gezählt wird, symbolisierten die Rabbinen unsere
Hoffnung auf Fruchtbarkeit und Fülle im neuen landwirtschaftlichen Jahr.
Die Allegorie der Einheit
Die "Arba Minim", die Vier Arten, symbolisieren auch die Einheit
des Volkes Israel:
- Der Etrog
hat einen süssen Geschmack und einen herrlichen Duft;
- Die Früchte
der Dattelpalme, von der der Lulaw stammt, schmecken, haben aber keinen
Duft;
- Die Myrthe
hat Duft aber keinen Geschmack;
- Die Bachweide
hat weder Geschmack noch Duft.
So, sagen unsere
Weisen, verhält es sich auch mit den Juden:
- Einige besitzen
Torakenntnisse und sind wohltätig;
- Einige besitzen
Torakenntnisse, sind aber nicht wohltätig;
- Einige sind
wohltätig, besitzen aber keine Torakenntnisse;
- Einige, wie
die Bachweide, besitzen weder Torakenntnisse, noch sind sie wohltätig.
Gott bindet die
Vier Arten (die vier Arten von Juden) in einem einzigen Band der Brüderlichkeit
zusammen, damit jeder dem anderen vergebe und Vergebung suche.
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