Purim

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den juedischen Kalender



P U R I M

Purimbraeuche aus aller Welt

Marc Chagall: Purim im Schtetl

Deutschland

Am Vorabend von Purim werden Fackeln, die Schiesspulver enthalten, entzuendet. Waehrend der Megillahlesung explodiert das Schiesspulver mit ohrenbetaeubendem Laerm. An manchen Orten werden am Vorabend in der Synagoge zwei Kerzen entzuendet. Eine fuer Haman, die zweite fuer seine Frau Seresch. Die Kerzen verbrennen von selbst und werden nicht ausgeloescht. So sollen die Hasser Israels verbrannt werden. Kuchen in Form einer Hamanpuppe weden vorbereitet. Die Kinder schneiden die Koepfe der Puppe ab und essen sie mit grosser Heiterkeit.

Italien

Die Kinder teilen sich in zwei Gruppen auf und bewerfen einander mit Nuessen. Die Erwachsenen reiten auf Pferden durch die Strassen und halten Zypressenaeste in der Hand. Auf einem gut sichtbaren Platz wird eine Hamanpuppe plaziert, alle umkreisen sie, Trompetenfanfaren ertoenen.

Frankreich

Kinder nehmen weiche Steine, schreiben darauf den Namen Haman oder ritzen ihn ein. Waehrend der Megillahlesung schlagen sie darauf, wenn der Name Haman erwaehnt wird, um ihn auszuloeschen.

Saloniki

Am Vorabend des Schabbat Sachor werden Kuchen in Form einer Hamanpuppe gebacken und bis zum festlichen Purimmahl auf die Fensterbank gestellt. Waehrend des Mahles werden die Kuchen aufgeschnitten, damit die Gaeste das Gebot "Und sie sollen Haman mit offenem Mund verschlingen" erfuellen konnten. Viele Kerzen werden angezuendet. Wie zu Chanukka werden auch die Kinder eingeladen, Kerzen zu entzuenden.

Aegypten

Die jungen Burschen reiten auf Pferden, Kamelen und Eseln durch die Strassen, um des Verses "und sie fuehrten ihn auf dem Ruecken eines Pferdes durch die Strassen der Stadt" zu gedenken.

Rhodos

Alle haben Anteil am Tumult. Waehrend der Megillahlesung trampeln sie laut und stampfen mit den Fuessen.

Tunesien

Alle Schulkinder nehmen an der Verbrennung einer Hamanpuppe teil. Die kleineren Kinder schneiden kleine "Hamans" aus Papier, die groesseren fertigen Puppen aus Lumpen, alten Kleidern und Stroh an. Alle versammeln sich bei der Schule. Ein grosses Feuer wird entzuendet, alle gruppieren sich um das Feuer. Alle Kinder werden ihre Hamanpuppen hinein. Dann schlagen sie den brennenden Haman mit Stoecken, die sie zu Ehren des Purimfestes vorbereitet haben. Nachdem alle Hamans ins Feuer geworfen wurden, fuegt man Salz und Schwefel hinzu. Alle rufen: "Lang lebe Mordechai, verflucht sei Haman, gesegnet sei Esther, verflucht sei Seresch.

Libyen

Die Kinder werfen Haman ins Feuer, springen darueber und wetteifern, wer am hoechsten springen kann.

Buchara

Purim in einer bucharischen Familie

In Buchara liegt zur Purimzeit Schee. Neben der Synagoge wird ein riesiger Schnee-Haman gebaut. Dieser Haman bekommt einen lustig geformten Koerper, dicke Beine wie ein Elefant, Kohlenaugen, eine Karottennase und eine rote Ruebe als Mund. Um seinen Bauch bindet man eine "Goldkette" aus Wassermelonenkernen - das Symbol seines Amtes. Auf dem Kopf traegt er einen zerbrochenen Topf als Hut.

Nach dem Festmahl versammeln sich alle um Haman. Ein grosses Feuer aus Holz, Lumpen und Papier wird entzuendet. Alle stehen und beobachten, wie Haman in der Hitze schmilzt. Sein Verschwinden wird mit Liedern gefeiert.

Kaukasien

Die Frauen bereiten geschwaerztes Holz vor und legen es neben den Kuechenofen. Wenn die Maenner aus der Synagoge nach Hause kommen, fragen sei, was dies bedeute. Die Frauen antworten: Das ist Haman. Darauf sagten die Maenner: Verbrenn ihn! Das Holz wird ins Feuer geworfen.

Afghanistan

Die Kinder zeichnen Bilder von Haman auf Brettern oder Tafeln. Waehrend der Megillahlesung werden die Bretter auf den Boden geworfen, alle trampeln darauf herum und machen grossen Laerm. Holzschuhe werden in der Hand gehalten und gegeneinander geschlagen.

Die Teppiche in der Synagoge werden aufgehoben, und die Betenden stampfen mit den Fuessen. Vielleicht hat sich Haman unter dem Teppich verkrochen?

Jemen

Bereits vor Purim bauen die Kinder im "Cheder" zwei Stecken kreuzweise zusammen, bedecken sie und erklaeren mit lauter Stimme: "Der boese Haman." Dies ist der Ursprung des juedischen Sprichwortes aus dem Jemen: "Im Adar bauen wir Haman-Kreuze."

In der jemenitischen Stadt Asaddeh ist es Brauch, eine riesige Hamanpuppe aus Lumpen anzufertigen. Haman wird auf einen Esel gesetzt und von den Kindern von Haus zu Haus gefuehrt. Die Kinder erhalten Suessigkeiten, die Puppe wird geschlagen, angespuckt, mit Schmutz beworfen oder mit schmutzigem Wasser bespritzt.

An einigen Orten des Jemens setzen die Kinder eine Art Vogelscheuche in einen hoelzernen Karren, der von einem Pferd gezogen wird. Zwei Perlen werden als Augen eingesetzt, ein Bart angeklebt und die Figur wird mit bunten, zusammengeflickten Gewaendern bekleidet und geschmueckt. Die Kinder laufen dem Pferd voraus und rufen: Das ist fuer den boesen Haman!

Am Vorabend von Purim ziehen sie den Karren durch die Strassen und schreien "Haman!", tanzen und singen: "Hier kommt Haman, er reitet auf einem lahmen Pferd. Er zerbirst und explodiert. Wehe seiner Mutter, hier kommt sie>"

Dieser Haman wird dann auf einem hohen Baum im Synagogenhof aufgehaengt. Er wird mit Steinen beworfen, mit Pfeilen beschossen, bis er nur mehr Stueckwerk ist. An manchen Plaetzen wird das Hamankreuz bis zum Ende von Purim aufgehoben. Dann wird es mit Kerosin begossen und in Brand gesteckt. Die Leute gehen erst nach Hause, wenn nur mehr Staub und Asche uebrig sind.


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Updated: 07/02/01

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