Purim

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den juedischen Kalender
P U R I M
Purimbraeuche
Mischloach Manot (Schlachmones) und Almosen fuer die Armen
Der Brauch, Geschenke zu schicken (Mischloach Manot), drueckt Purim einen besonderen Stempel auf. Die ganze Purimzeit hindurch draengen sich Maenner, Frauen und Kinder auf der Strasse und transportieren Teller, Koerbe und Tabletts voll mit ausgesuchten Purimspezialitaeten, die mit einer bestickten Serviette bedeckt wurden. Viele dieser "Boten" sind verkleidet, was zur schoenen Atmosphaere des Purimfestes beitraegt.
In Jerusalem pflegten verlobte Maedchen ihrem zukuenftigen Ehemann riesige, aufwendige Purimgeschenke zu schicken: Eistorten, Kekse und Bonbons wurden auf gigantischen Tabletts ausgefallen arrangiert.
Im heutigen Israel ist das Verschicken von Purimgeschenken eine familiaere, nachbarschaftliche und sogar nationale Geste. Man schickt sie an Soldaten, Siedlungen an der Grenze und an Beduerftige. Kinder tauschen in der Schule symbolische Geschenke aus. Einige kleiden Mischloach Manot in parodistische, humoristische Spiele.
Laermschlagen, wenn der Name Hamans erwaehnt wird
Waehrend des Vorlesens der Megillah herrscht in der Synagoge eine besondere Atmosphaere. Viele bringen ihre eigenen Megillot mit, geschrieben auf koscherem Pergament und in strenger Uebereinstimmung mit den halachischen Vorschriften, um ja kein Wort von der Vorlesung zu versaeumen. So koennen sie ein versaeumtes Wort leise aus der eigenen Megillah hinzufuegen und so die Mitwah erfuellen, die Megillah vollstaendig zu hoeren.
Verkleidete Kinder schnappen sich verschiedene Laerminstrumente, Stoecke, Rasseln, Purimpistolen, Ratschen, und beginnen, den Namen Hamans, wann immer er vorgelesen wird, zu uebertoenen. Stoecke werden geschlagen, Ratschen bewegt, und die Purimpistolen bringen ohrenbetaeubenden Laerm hervor. Der Tumult leistet seinen Beitrag zur allgemeinen Freude. Der Vorleser wartet, bis der Laerm verebbt und liest weiter - bis zum naechsten "Haman".
Ein anderer Brauch ist, den Namen Hamans auf die Schuhsohlen zu schreiben und mit den Schuhen zu stampfen und zu trampeln, wenn der Name des Unterdrueckers erwaehnt wird.
Der Brauch, Laerm zu schlagen, wenn der Name Hamans auftaucht ist alt und weit verbreitet in der Diaspora. Einige strenge Rabbiner bannten diese Sitte, da sie die Vorlesung der Megillah stoert, aber die festliche Purimatmosphaere triumphierte und der Brauch ist nun in der Purimfolklore tief verwurzelt.
Purimspiele
Bereits in talmudischer Zeit war der Brauch, zu Purim spezielle Spiele aufzufuehren, um die Festesfreude zu vergroessern, weit verbreitet. Der Talmud spricht ueber ein antikes Spiel namens "Meschwarta de Purim". Man verbrannte Holz und Teer in einem Loch im Boden, und die Kinder sprangen ueber das Feuer.
Zur Zeit der Geonim gab es die Sitte, eine Hamanpuppe zu verbrennen und rund um das Feuer zu tanzen. Einige haengten einen grossen Ring ueber dem Feuer auf, die jungen Burschen hielten sich daran fest und sprangen ueber das Feuer. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden in verschiedenen Gemeinden zahlreiche andere Spiele, wie der Verkauf Josefs, Jakob und Esau oder David und Goliath.
Improvisierte Purimensembles besuchten juedische Haeuser und praesentierten ihre Spiele. Das beliebteste Spiel war selbstverstaendlich das "Achaschwerosch Spiel", in dem alle Helden des Estherbuches auftauchen, das Spiel ist in Verse gefasst und von attraktiver Musik begleitet.
We'nahafoch hu
Die leichte, freudige Purimatmosphaere gibt Gelegenheit zu einer Reihe von Spaessen und Clownerien, die auf den Worten der Megillah "We'nahafoch hu" - "das Gegenteil geschah" beruhen: Die Tische werden umgedreht und alle machen Witze ueber alles.
Der "Rurim-Rabbiner"
Es gibt den Brauch, einen "Purim-Rabbiner" zu ernennen. Die Aufgabe dieses "Rabbiners" ist es, eine Purim Tora zu rezitieren, die aus leichtfertig aneinander gereihten Bibel- und Talmudtexten besteht. Der "Purim-Rabbiner" nimmt die Gelegenheit wahr, Persoenlichkeiten des oeffentlichen Lebens und Gemeindefuehrer aufs Korn zu nehmen und die "Rachegelueste" gegen diese "Despoten" zu befriedigen.
Purimspeisen
"Homentaschn", die beruehmte Mehlspeise, sind die bekannteste Purimspeise. Sie sind ein dreieckiges Stueck Teig, gefuellt mit Mohn. Der Ursprung des Namens ist unklar, aber es gibt einige Theorien. Einige Leute sagen, Haman habe einen dreieckigen Hut getragen, daher die Form der Taschen. Andere beziehen sich auf den Midrasch, der berichtet, Haman habe sich gebeugt, voller Scham und gedemuetigt vom Koenig entfernt, buchstaeblich mit "gestutzten" Ohren. "Homentaschn" bedeutet auch, dass Hamans Streitkraft erschoepft war ("tasch coho"), als er kam, um den Juden zu schaden. Und so wird es allen ergehen, die uns Schaden zufuegen wollen.
Der Ursprung der Mehlspeise waren sicherlich mit Mohn gefuellte Teigtaschen - "Mohntaschen". Der Name wurde in "Haman Tasche" verzerrt - "Hamans Taschen". Es ist eine Mitzwah, Haman mit offenem Mund zu "verschlingen".
Ausser Homentaschn werden zu Purim alle Arten von Suessigkeiten gegessen.
Auch "Kreplach" - faschiertes Fleisch umhuellt mit Teig - haben eine dreieckige Form. Das Essen von Kreplach zu Purim hat zwei Gruende, die mit den Buchstaben zu tun haben:
- KRP - Kippur, Hoschana Rabba, Purim: an diesen drei Feiertagen essen wir Kreplach. An allen drei Feiertagen spielt "Schlagen" eine Rolle: Am Vorabend von Jom Kippur pflegten Suender sich selbst 39 Schlaege zu verabreichen; Zu Hoschana Rabba werden die Bachweiden abgeschlagen; Zu Purim wird mit Laerminstrumenten geschlagen, wenn der Name "Haman" vorgelesen wird.
- Der Brauch basiert auch auf einen Pasuk im Buch Deuteronomium (13,16): "Hakeh takeh et joschwei ha'ir" - "dann sollst du die Bewohner jener Stadt mit der Schaerfe des Schwertes schlagen". Auch hier haben wir eine Beziehung zu "Schlagen".
HAKEH TAKEH - Hoschana Rabba, Kippur, Haman - "Tochlu Kreplach Harbe" - Du sollst eine Menge Kreplach essen!!!
Die Purim-Challah ist eine besonders lange Challah mit Rosinen, die fuer das Purimmahl gebacken wird. Es gibt auch Kuchen, mit viel Oel oder Butter, bestrichen mit Ei und dekoriert mit Schokolade und Suessigkeiten
Purimfisch: Fische werden zu Purim anders zubereitet als sonst: sie werden in Essig gekocht, zusammen mit Rosinen und Gewuerzen.
Samen, Kerne: Einige alte Quellen erwaehnen die Sitte, am Vorabend des Purimfestes nur Samen und Kerne zu essen, zur Erinnerung an Esther, die im Palast des Koenigs nichts anderes ass. Es gibt auch den Brauch, die Homentaschn mit Mohn zu fuellen.
Bohnen und Getreide: An vielen Orten essen Leute zu Purim Bohnen und Getreide, um an die Froemmigkeit Esthers zu erinnern, die in Achaschweroschs Palast keine verbotenen Speisen zu sich nahm, sondern nur Getreide. Es koennte hier auch eine Beziehung zu Leid und Trauer geben, die durch Getreide und Bohnen symbolisiert werden.
Zu Purim ist es Sitte, Truthahn ("Indian" - "tarnegol Hodu") zu essen, zur Erinnerung an Koenig Achaschwerosch, dessen Reich von Indien ("Hodu") bis Aethiopien reichte. Es ist bekannt, dass der Truthahn in Europa und unter den Juden im allgemeinen als Symbol der Torheit galt. Und so erinnern wir uns an den toerichten Achaschwerosch.
Verkleidungen
Der Brauch, sich zu Purim zu verkleiden, ist sehr alt. Vor allem in Italien war er vorherrschend. Vor hunderten von Jahren schrieb Rabbiner Jehuda Mints in einer seiner Responsen, dass es Maennern zu Purim erlaubt sein solle, Frauenkleider zu tragen, obwohl dies von der Tora ausdruecklich verboten wird. (Deuteronomium 22,5: "Keine Frau darf maennliche Kleidungsstuecke tragen, und kein Mann darf ein Frauengewand anziehen.")
Rabbiner Joel Sirks ("Bajit Hadasch") aus Polen bekaempfte die von Rabbiner Mintz gegebene Erlaubnis.
Er warnte auch vor Maennern, die Masken tragen, da man sie nicht erkennen koenne. Auch dies sei zu Purim und bei Hochzeiten verboten. Das Buch der Gebraeuche der Wormser Gemeinde beschreibt Purim folgendermassen: Fruehmorgens, am Schabbat vor Purim, gegen die jungen Burschen in ein Haus, weit weg von der Synagoge, wo sie Schabbatmaentel anziehen, deren rechte Aermel zugenaeht sind. Jeder von ihnen traegt einen getupften Hut auf dem Kopf. Wenn sie das Haus verlassen, gehen sie paarweise, Hand in Hand. Ein Diener geht voran, verkleidet als Hanswurst, er tanzt und spielt den Narren ..."
Die auffaelligsten Zeichen des Purimfestes von Heute sind die Purimkostueme, die vor allem von Kindern getragen werden. Aber auch Erwachsene verkleiden sich manchmal in der Oeffentlichkeit oder fuer eine Purimparty.
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Updated: 07/02/01