Purim

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den juedischen Kalender



  • Der Name des Festes fuehrt uns zu seinem kulturellen Ursprung.
  • Das Wort "Purim" ist der hebraeische Plural des babylonischen Wortes "puru", mit der Bedeutung "Los" - goral im Hebraeischen. wehipil pur hu haggoral (Er hatte das Pur, das ist das Los, geworfen [Esther 9,24]).
    Die These, in der ein Zusammenhang zwischen "pur" und der Wurzel "PRR", mit der Bedeutung "brechen", hergestellt wird, ist unhaltbar. Der Ursprung des Wortes war ein Stueck Stein "puru" und wurde im Babylonischen immer mit einem "R" geschrieben;. "Puru or purru" existiert zwar im Babylonischen mit der Bedeutung eines Steinstueckes, ist jedoch ein sumerisches Lehnwort. In dieser Sprache sind Wurzelmanipulationen, wie sie in semitischen Sprachen, wie dem Hebraeischen und Babylonischen, ueblich sind, unmoeglich.

  • Das Babylonische hatte eine komplizierte Transkriptionsmethode und benutzte sumerische Notationen, um babylonische Silben zu schreiben. Manchmal wurden sumerische Woerter sogar zur Gaenze uebernommen, manchmal wurde der Klang wiedergegeben. So wurde das sumerische Wort "a" (mit der Bedeutung "Wasser")* immer fuer die Silbe "a" im Babylonischen benutzt: zum Beispiel a-wi-lum (ein Mann). Es bedeutet auch "Wasser", wurde aber "mu" ("Wasser" im Babylonischen) ausgesprochen. Spaeter wurde dasselbe Zeichen auch verwendet, um "mu" als Silbe auszudruecken.
    Die babylonische Sprache hat mehr als 500 Keilschriftzeichen, von denen die meisten auf mehrere Arten ausgesprochen werden koennen. So war es moeglich ein Doppel-"R" zu schreiben, wenn es die Wurzel erforderte. Deshalb wurde "pararu" (brechen) mit den Silben pa-ra-ru geschrieben, aber der intensive Verbstamm derselben Wurzel "parraru", mit dem verdoppelten Wurzelkonsonanten par-ra-ru oder pa-ar-ra-ru.
    Stammten die babylonischen Woerter "puru" - pu-ru und "pararu" - pa-ra-ru von derselben Wurzel waeren sie pur-ru oder pu-ur-ru geschrieben worden, was aber nicht der Fall ist. Daher gibt es keine Verbindung zwischen und der Wurzel .
* Vergleiche das hebraeische Lehnwort "agam" (See), eine Zusammensetzung der sumerischen Woerter "a" (Wasser) und "gam" (Schilfrohr). Gemeinsam bedeuten sie "Sumpf"; In diesem Fall wurden die sumerischen Woerter mit der babylonischen Aussprache "agam" angenommen. Es kann sein, dass semitische Horden vor 5000 Jahren ueber die arabische Halbinsel nach Mesopotamien vordrangen kein Wort fuer "Sumpf" hatten.
  • Obwohl der Verfasser der (megilla) mit dem persischen Hofleben wohlvertraut und vielleicht sogar ein persischer Jude war, hat (Purim) einiges mit dem urspruenglichen sumerisch-babylonischen Akitu Fest gemeinsam, dem babylonischen Neujahrsfest.
  • Wir koennen daher die Geschichte als literarische Arbeit mit vielen verschiedenen kulturellen Elementen betrachten und nicht als historischen Bericht.
  • Das babylonische Akitu hat auch einige Gemeinsamkeiten mit dem juedischen Neujahr, den zehn Busstagen und Jom Kippur, inklusive der Ungewissheit ueber die Zukunft.
  • Das Akitu Fest wurde in Babylonien in den ersten zehn Tagen des Monats Nisan gefeiert. Es gibt auch Berichte, dass es eine Zeitlang in einigen Staedten zwei Mal im Jahr stattfand, im Herbst und im Fruehling, und nicht immer im selben Monat.
  • Wir kennen nicht alle Einzelheiten des Akitu Festes, aber aus einigen rituellen Texten aus Ur und Lagasch sind wir imstande, einige Tatsachen zu enthuellen:
    • Am zweiten Tag des Monats Nisan betrat der Hohepriester (urigallu) den heiligsten Ort des Tempels Esagila, wo er an Marduk, den Gott der Goetter, ein Preisgebet richtete. Dann oeffnete er die Tempeltore, die anderen Priester traten ein und plazierten die Koenigskrone vor Anu, dem Herrn der Goetter, dem Regenten des Himmels, der sich jedoch nicht um die Menschen kuemmerte. Danach wurde wieder Marduk angebetet.
    • Der vierte Tag begann wie die vorhergehenden, und der Hohepriester rezitierte das Epos ueber die Erschaffung der Welt "Enuma Elisch".
    • Auch am fuenften Tag wurde diesselbe Morgenzeremonie veranstaltet. Die "Kapelle" Marduks, seiner Frau und seines Sohnes Nebo wurde von einem speziellen Magier gereinigt. Danach wurde ein Schaf geschlachtet, mit dessen Blut der heiligste Platz besprengt wurde. Die anderen Teile des Schafes wurden in den Fluss geworfen, der Magier und der Schlachter gingen, da sie unrein waren, in die Wueste, bis Nebo die Stadt nach seinem eigenen Tempel verlassen hatte.
    • Als Nebo mit dem Schiff aus Borsipa ankam, betrat der Koenig mit dem Hohenpriester den Tempel Esagila, wo eine grosse Busszeremonie begann. Alle koeniglichen Symbole wurden von ihm entfernt, der Hohepriester schlug ihm auf beide Wangen, der Koenig kniete nieder und rezitierte Bussgebete. Der Hohepriester ermahnte den Koenig, alle seine Pflichten dem Volk gegenueber auszufuehren und es vor Unrecht zu bewahren. Danach empfing der Koenig wieder seine Symbole, der Hohpriester schlug ihm wieder ins Gesicht, bis Traenen aus seinen Augen traten. Dies war der Beweis, dass Gott die Busse des Koenigs angenommen hatte. Der Koenig und der Hohepriester sprachen ein Gebet an den Feuergott.
    • Am achten Tag bestimmte Marduk das Los (puru) fuer das Volk im naechsten Jahr.
    • Am neunten und zehnten Tag wurden in der Stadt Prozessionen abgehalten, die Statue des Marduk wurde auf dem Ruecken eines Tieres durch die Strassen getragen. Alle Skulpturen der anderen Goetter verliessen die Stadt. Der Koenig nahm an der Prozession teil. Sie endete, als Marduk in seinen Tempel Esagila zurueckkehrte.

Dieses Relief aus Malthaja (noerdlich von Mosul) aus der Zeit Sanheribs von Assyrien stellt eine Prozession von Goettern auf ihren heiligen Tieren dar.