Pesach

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender



P E S A C H

Zwischen Mensch und Nebenmensch - Moses' Demut

Biblische Quellen

Moses' Demut kommt in folgenden Texten zum Ausdruck:

Exodus 3
4
33, 12-17
34, 6-9
Numeri 11, 23-29
12,3
16,15

Für den Lehrer

Wie manifestiert sich Moses' Demut in jeder dieser Passagen? Versucht, den Begriff Demut aufgrund dieser Texte zu erklären.

Analyse

Bedeutet Demut deiner Meinung nach Schwäche? Ist es wichtig für einen Führer, demütig zu sein? Wie demütig sollte er sein?

Vertiefung

Sollten auch unsere modernen Führer demütig sein?

Quellen aus Talmud und Midrasch

"Unsere Weisen lehrten: Der Mensch wurde vor dem Schabbat (d. h. am Ende der Schöpfung) erschaffen. Warum? Damit man, wenn ein Mensch stolz wird, sagen kann: Sogar die Stechmücken wurden vor dir erschaffen." (Sanhedrin 38a)
"Da erschien ihm der Engel Gottes in einer Feuerflamme, mitten aus einem Dornbusch heraus." (Exodus 3,2)
"Nicht weil du der grösste der Bäume bist, wählte dich der Ewige, um sich in dir zu manifestieren, sondern weil du der geringste unter den Bäumen bist." (Schabbat 67a)
"Unsere Weisen lehrten: Der Mensch soll sich immer beugen wie ein Schilfrohr und nicht hart wie eine Zeder sein: Das Schilf wächst im Wasser, sein Rohr ist biegsam, und es hat viele Wurzeln. Alle Winde der Welt können es nicht entwurzeln, denn es schwingt mit ihnen vor und zurück. Und wenn die Winde aufhören zu wehen, steht das Schilf still an seinem Platz.
Eine Zeder wächst nicht im Wasser und ihr Stamm ist nicht biegsam. Sie hat nur wenige Wurzeln. Alle Winde der Welt können sie nicht entwurzeln, aber wenn ein Südwind weht, ist sie sofort entwurzelt." (Ta'anit 20a)

Moses als historische Figur

Die Beschreibungen des Moses, die der Pentateuch gibt, sind klar jene einer mythologischen Figur. Die Frage, ob es möglich sei, den historischen Moses durch eine Analyse der biblischen Erzählung zu rekonstruieren, wird von Bibelwissenschaftlern bis heute diskutiert. Für die jüdische Tradition wurde die Tora Moses am Sinai offenbart und später von ihm niedergeschrieben.

Unsere Gelehrten betrachten Moses nicht als den Autor der Gebote, die uns in der Tora gegeben werden, obwohl viele die Tradition akzeptieren, welche die Zehn Gebote Moses zuschreibt.

Eine andere Frage, über die Uneinigkeit herrscht, ist Moses' Rolle in der Geschichte der Religion Israels und des israelitischen Monotheismus. In der Tora heisst es, dass unsere Stammväter Abraham, Isaak und Jakob Gott als Einen und nur den Einzigen Gott des Himmels und der Erde verehrten. Moses' Beitrag zur Religion Israels war die Erneuerung des Bundes zwischen Gott und seinem Volk.

Die Gelehrten, die diese Ansicht nicht teilen, gehören zu verschiedenen Schulen. Einige interpretieren die Erzählungen von Gottes Erscheinen vor Moses so, Moses sei der erste Israelite gewesen, der den Einen Gott anbetete. Andere sind der Meinung, Moses habe seinen Glauben an den Einen Gott von seinem Schwiegervater Jithro vermittelt bekommen. Andere wiederum glauben, die Kinder Israels verehrten den Gott Israels bereits vor Moses, aber sie verehrten ihn nicht als ihren einzigen Gott. Moses setzte der Verehrung anderer Götter ein Ende.

Es gibt auch die Meinung, die Israeliten verehrten ihren Gott zur Zeit des Moses nur als den Gott Israels und erkannten ihn als universellen Schöpfer erst zur Zeit der Propheten.

Andererseits wird der Monotheismus mit Moses verbunden. Dieser Monotheismus sei von Ägypten und denselben intellektuellen Strömungen beeinflusst gewesen, die zur Revolution des Pharaohs Echnaton (1365-1355 v.d.Z.) führten. Diese Revolution setzte die Verehrung des Sonnengottes als den einen und einzigen Gott des Universums ein. Die Annahme des ägyptischen Einflusses scheint jedoch nicht wahrscheinlich. Nicht nur war diese religiöse Revolution kurzlebig. Nirgends in der Bibel, ausser in Psalm 19, wird Gott mit der Sonne verglichen.

Der mythische Charakter der Moseserzählung bedeutet nicht, dass sie nicht nicht auf historischen Tatsachen basiert. Traditionen über historische Persönlichkeiten koennen mythischen Charakter annehmen. Es gibt sicherlich keinen Grund, die Historizität Moses' auf der Basis der Exodusgeschichte - wie Psalm 78, der jede Erwähnung vermeidet - zu negieren. Jemand, der Gottes Taten preisen möchte, ist keinesfalls gezwungen, Gottes Diener zu erwähnen.

Selbst der Autor der Haggada, einem viel spöteren Werk, nahm sich die Freiheit, Moses in der Exoduserzählung nicht zu erwähnen. Auch hier wird das gesamte Geschehen Gott allein zugeschrieben. Wenn wir die Befreiung Israels aus der ägyptischen Knechtschaft als historisches Ereignis sehen, können wir die Schlussfolgerung nicht vermeiden, dass es einen Menschen gegeben haben muss, der diese Befreiung einleitete, vorbereitete und anführte.

Die Bibel ist unmissveständlich der Meinung, dass Moses dieser Mensch war.

Aus: Achad HaAm: Moses

"Wenn ich die Pesach Haggada lese und über Moses, Sohn des Amram, dem Held der Helden, der wie eine Lichtsäule an der Schwelle zur Geschichte steht, vor mir her schwebt und mich in eine "höhere Welt" erhebt, dann teile ich keineswegs die Zweifel und Fragen, mit denen uns die Gelehrten aller Nationen plagen: ob Moses wirklich lebte, ob er auf eine Art lebte und handelte, die unser Volk akzeptierte, ob er wirklich Israel rettete und die Tora weitergab, so dass sie für uns bewahrt wurde. Und welche Fragen es sonst noch geben mag.

In meinem Herzen gebe ich alle diese Fragen mit einer einfachen Antwort auf: Dieser Moses, diese graue Gestalt, dessen Realität und Essenz du zu erhellen versuchst, ist keine Angelegenheit für Gelehrte wie dich. Wir haben einen anderen Moses, unseren eigenen, den einen, der im Herzen unseres Volkes, von einer Generation zur anderen, gross eingeschrieben ist, und dessen Einfluss auf unser nationales Leben nicht aufhört, von der Antike bis heute.

Moses' historische Realität ist unabhängig von euren gelehrten Abhandlungen. Auch, wenn es euch gelänge, ohne den leisesten Zweifel nachzuweisen, dass der Mann Moses niemals lebte, oder dass er nicht war, wie er beschrieben wird, würde dies nicht ein Jota des historischen Ideals Moses ändern. Er führte uns nicht nur vierzig Jahre durch die Wüste Sinai, sondern tausende von Jahren durch jede Wüste, die wir vom Exodus aus Ägypten bis heute durchquerten."



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