Pesach

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender



P E S A C H

Die Prager Haggada

Titelseite der Prager Haggada

Der Inhalt der Pesach Haggada vereint die Geschichte des Exodus aus Ägypten mit der Vision der zukünftigen Erlösung aus allen Exilen.

Diese doppelte Natur wird in ihrer literarischen Konstruktion, ihren Illustrationen, Zusätzen, Liedern und Kommentaren sichtbar.

Unsere Vorfahren wurden in Ägypten versklavt: Gott führte uns mit vielen Wundern aus der Knechtschaft, damit wir als freie Menschen im Gelobten Land leben.

Die Haggada erklärt, ohne diese Wunder wären wir, die Nachkommen, immer noch Sklaven in Ägypten.

Die Pesach Haggada ist deshalb ein Drama, das jedes Jahr am Sederabend aufgeführt wird. Ein Teil des Textes präsentiert das Ritual, andere beinhalten Vorschriften und Gründe für die Handlungen.

Künstler, die die Haggada im Laufe der Jahrhunderte illustrierten, schilderten die Sklaverei und den Auszug aus Ägypten und fügten mit kreativen und künstlerischen Impulsen die Visionen der Erlösung hinzu.

Die lebhaften Illustrationen drückten die Gefühle und die Freude über die Freiheit aus, die jeder Jude zu Pesach empfindet.

Der boese SohnText und Illustrationen hatten auch einen praktischen Sinn: die Kinder sollten zu Fragen angeregt werden und so ihren Vätern die Gelegenheit geben, die Geschichte vom Auszug aus Ägypten zu erzählen.

Nach der Erfindung des Buchdrucks verliess das erste hebräische Buch 1475 die Druckerpresse. Nur wenige Jahre später, 1482, wurde in Spanien eine Haggada gedruckt.

Die Prager Haggada war die erste, die nach der Vertreibung der Juden aus Spanien, 1492, in Mitteleuropa entstand. Als erste gedruckte illustrierte Haggada wurde sie das Vorbild fär viele illustrierte Ausgaben.

Sie ist auch die erste vollständig erhaltene illustrierte Haggada. Sie gilt heute als eines der schönsten Beispiele.

Obwohl bereits vor der Prager andere bebilderte Haggadaot entstanden, ist sie doch die erste, die mit Sorgfalt und Gefuehl für Ästhetik gearbeitet wurde. Dies wird nicht nur in den Holzschnitten deutlich, sondern auch in der schönen Schrift, den ausgezeichneten Initialen und der allgemeinen Aufmachung.

Der Name des Druckers wird am Ende der Haggada angeführt: Gerschom Kohen. Er berichtet, er habe die Haggada mit Hilfe seines Bruders Gronem Katz am letzten Tag des Jahres 1526 vollendet.

Als Künstler der Holzschnitte wird Chaim Schachor (Schwarz) angenommen. Einige Schnitte scheinen aber von anderen Künstlern zu stammen.

Die Prager Haggada präsentiert eine neue Tendenz in der künstlerischen Tradition illustrierter Haggadot, da sie sich die Druckmöglichkeit der Holzschnitte weidlich zunutze macht. Die Seiten werden dekorativ eingerahmt, auch die Initialen sind Holzschnitte.

Wir finden vier Arten von Holzschnitten: die dekorativen Worte, die Begrenzungen der ganzen Seiten, die grossen Szenen und die Randfiguren. Der Künstler ging auch wirtschaftlich vor und verwendete verschiedene Vorlagen mehrmals.

Traditionelle jüdische Motive und Ikonographien verbinden sich mit dem moderneren Stil der zeitgenössischen religiösen Illustrationen und dem persönlichen Geschmack des Künstlers.

Der Weise Der Boese Der Einfaeltige Derjenige, der nicht zu fragen versteht

Drucker verschiedener jüdischer Zentren begannen eigene Haggadot zu produzieren, die der Prager Haggada nachempfunden waren.

Die Prager Haggada von 1526 gab den Ton für viele zukünftige Haggadot an. Sie ist eines der schönsten Werke, die im 16. Jahrhundert gedruckt wurden.

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