Die lebhaften Illustrationen drückten die Gefühle
und die Freude über die Freiheit aus, die jeder Jude zu Pesach empfindet.
Text
und Illustrationen hatten auch einen praktischen Sinn: die Kinder sollten zu
Fragen angeregt werden und so ihren Vätern die Gelegenheit geben, die Geschichte
vom Auszug aus Ägypten zu erzählen.
Nach der Erfindung des Buchdrucks verliess das erste hebräische
Buch 1475 die Druckerpresse. Nur wenige Jahre später, 1482, wurde in Spanien
eine Haggada gedruckt.
Die Prager Haggada war die erste, die nach der Vertreibung
der Juden aus Spanien, 1492, in Mitteleuropa entstand. Als erste gedruckte illustrierte
Haggada wurde sie das Vorbild fär viele illustrierte Ausgaben.
Sie ist auch die erste vollständig erhaltene illustrierte Haggada. Sie
gilt heute als eines der schönsten Beispiele.
Obwohl bereits vor der Prager andere bebilderte Haggadaot entstanden, ist sie
doch die erste, die mit Sorgfalt und Gefuehl für Ästhetik gearbeitet
wurde. Dies wird nicht nur in den Holzschnitten deutlich, sondern auch in der
schönen Schrift, den ausgezeichneten Initialen und der allgemeinen Aufmachung.
Der Name des Druckers wird am Ende der Haggada angeführt: Gerschom Kohen.
Er berichtet, er habe die Haggada mit Hilfe seines Bruders Gronem Katz am letzten
Tag des Jahres 1526 vollendet.
Als Künstler der Holzschnitte wird Chaim Schachor (Schwarz) angenommen.
Einige Schnitte scheinen aber von anderen Künstlern zu stammen.
Die Prager Haggada präsentiert eine neue Tendenz in der künstlerischen
Tradition illustrierter Haggadot, da sie sich die Druckmöglichkeit der
Holzschnitte weidlich zunutze macht. Die Seiten werden dekorativ eingerahmt,
auch die Initialen sind Holzschnitte.
Wir finden vier Arten von Holzschnitten: die dekorativen Worte, die Begrenzungen
der ganzen Seiten, die grossen Szenen und die Randfiguren. Der Künstler
ging auch wirtschaftlich vor und verwendete verschiedene Vorlagen mehrmals.
Traditionelle jüdische Motive und Ikonographien verbinden sich mit dem
moderneren Stil der zeitgenössischen religiösen Illustrationen und
dem persönlichen Geschmack des Künstlers.
Drucker verschiedener jüdischer Zentren begannen eigene
Haggadot zu produzieren, die der Prager Haggada nachempfunden waren.
Die Prager Haggada von 1526 gab den Ton für viele zukünftige
Haggadot an. Sie ist eines der schönsten Werke, die im 16. Jahrhundert
gedruckt wurden.
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