Pesach

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender



P E S A C H

Zusätzliche Passagen für Studium und Diskussion

Schabbat Hagadol (Grosser Schabbat)

Einführung

Von den Schabbattagen, die einen zweiten Namen haben, ist der "Schabbat Hagadol", der Pesach vorangeht, einer der bekanntesten. Gemäss der Tradition war der zehnte Tag des Monats Nissan das Datum des ursprünglichen Grossen Schabbat.

An diesem Tag versammeln sich die jüdischen Gemeinden in ihren Synagogen, um die Predigten der Rabbiner zu hören, in denen die Vorschriften für das Pesachfest erläutert werden, damit die Familienoberhäupter in der Beobachtung der Mitzwot nicht irren und die Kenntnisse besitzen, mit denen der Dialog am Sedertisch bereichert wird.

Ursprung des Namens

Von den zahlreichen Erklärungen des Namens dieses Schabbattages möge diejenige erwähnt werden, mit deren Hilfe wir die Bedeutung des Schabbat für den modernen Menschen reflektieren können.

Bis zum Vorabend des Auszuges aus Ägypten war folgendes der einzige Grund, den Schabbat zu halten:

" Gedenke des Schabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun. Der siebte Tag aber ist Schabbat für den Ewigen, deinen Gott. Da darfst du keinerlei Werk tun, weder du selbst, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch der Fremde, der sich in deinen Toren aufhält. Denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel, die Erde und das Meer und alles, was in ihnen ist, erschaffen; aber am siebten Tag ruhte er. Deshalb hat der Ewige den Schabbattag gesegnet und ihn geheiligt." (Exodus 20, 8-11)

Mit dem ersten Schabbat Hagadol wurde die Bedeutung bereichert und erhöht. Ein neuer Grund für das Halten des Schabbat war eingeführt: die Befreiung aus der Knechtschaft.

Denke daran, dass du selbst im Ägypterlande Sklave warst und der Ewige, dein Gott, dich von dort mit starker Hand und ausgestrecktem Arme herausführte. Darum gebot der Ewige, dein Gott, den Schabbattag zu feiern." (Deuteronomium 5, 12-15)

Durch die neue Bedeutung des "Befreit werdens" wird der Schabbat gadol (gross).

Die Beziehung zwischen Schabbat und Freiheit

Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1800-1888) erklärte in zeitgenössischen Begriffen die Beziehung zwischen Schabbat und Freiheit:

"Wäre uns der Schabbat nicht vor so langer Zeit von unserem barmherzigen himmlischen Vater gegeben worden, wir müssten niedergehen auf unsere Knie, um Ihn darum anzuflehen, ihn uns zu geben, um uns und unsere Kinder vor der Selbstvergöttlichung und der Leugnung Gottes zu retten. ...
Je mehr wir erkennen, dass heutzutage unser ganzes Interesse von Geschäften gefangengenommen wird, umso mehr fühlen wir uns eingesperrt durch den Fortschritt der Industrie, umso mehr erzittern wir vor dem Gedanken, dass wir und unsere Kinder davon vollständig überschwemmt werden, Gefahr laufend, Gott und jegliche Würde der menschlichen Persönlichkeit darin zu verlieren.
Wie wichtig die Geschäfte auch immer für uns sein mögen, wie wertvoll die Zeit wird, wie sehr Gewinne und Verluste von Tagen, Stunden und Minuten abhängig sind, wie stark die Ketten der Industrie werden: umso grösser muss das Schabbatopfer sein, umso eifersüchtiger müssen wir den Kidduschbecher ergreifen. Mit wieviel mehr Harmonie müssen wir unsere Frauen und Kinder und alle Mitglieder unserer Familien um uns versammeln und den Schabbat heiligen, ihn preisen und danken für diese Gabe."

Eine Gelegenheit für die Befreiung aus der Routine

Die Befreiung vom Joch der Sklaverei beginnt jede Woche von Neuem am Schabbat. Wenn wir uns wirklich von der täglichen Routine befreien möchten, von uns selbst und unserer Entfremdung, und wenn wir unsere Beziehung zu Gott erneuern wollen, ist Schabbat Hagadol eine gute Gelegenheit, ein neues Leben zu beginnen, welches das Glück bietet, das nur freie Menschen erreichen können.



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