Jom HaAtzma'ut

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender



Rollenkarten für israelische Jugendliche

Michael

Michael ist vor einigen Jahren aus Kiew, der ukrainischen Hauptstadt, nach Israel gekommen. Er ist fast 18 Jahre alt, seine Schwester ist elf. In der Ukraine arbeiteten seine Eltern als Ärzte; sein Vater hat in Israel eine Ausbildung zum Anästesisten absolviert. Seiner Mutter ist es nicht gelungen in Haifa, wo die Familie lebt, eine Anstellung als Kardiologin zu finden. Und so arbeitet sie als Krankenschwester auf einer Herzstation. Zu Hause sprechen sie russisch. Michale spricht gut Hebräisch, seine Eltern weniger.

Michael besucht in Haifa ein Gymnasium. Seine Lieblingsfächer sind Mathematik und EDV. Die Freizeit verbringt er mit seinen Freunden oder vor dem Computer. Er hat auch eine Teilzeitarbeit. Michael gehört keiner Jugendbewegung an, hat sich aber dem Computerklub im Gemeindezentrum angeschlossen. An anderen Aktivitäten der Gemeinde beteiligt er sich nicht.

Michaels Freunde sind hauptsächlich Russen, aber auch einige Israelis. Nächstes Jahr wird er gemeinsam mit ihnen in der Armee sein. Der israelische Militärdienst scheint sich von dem in der ehemaligen Sowjetunion zu unterscheiden, er könnte aber kürzer sein, gäbe es Frieden im Nahen Osten. Dann wäre auch die wirtschaftliche Situation besser, und es gäbe mehr Möglichkeiten. Andererseits ist Israel im Vergleich mit anderen Staaten so klein, daß es im Hinblick auf die Sicherheit verwegen wäre, Territorium an der Grenze aufzugeben - und so muß eine andere Lösung gefunden werden.

Als Michael einwanderte wußte er fast nichts über Israel oder jüdische Tradition, und er hat nur wenig darüber gelernt. Es ist zwar ein interessantes Thema, aber nicht Teil seines Lebens. Er liest über jüdische Geschichte, und seine Großmutter hat ihm von der Shoah erzählt.

Malka

Malka kam im Alter von elf Jahren mit dem "Unternehmen Moses" aus Äthiopien über den Sudan nach Israel. Sie erinnert sich, daß die Reise über Land, von ihrem äthiopischen Dorf in den Sudan, zwei Wochen dauerte und sehr beschwerlich war. Erwachsene und Kinder starben auf dem Weg, auch ihr kleiner Bruder.

Heute lebt sie mit ihrer Familie in Aschkelon. Sie besucht die Schule der Jugendalijah. Sie möchte die Schule dieses Jahr abschliessen und danach in die Armee eintreten, um Offizier zu werden. Auch Malkas Freunde stammen fast alle aus Äthiopien.

Obwohl sie nicht das Gefühl hat, daß die Leute sie unterschiedlich behandeln weil sie Äthiopierin ist, hat sie doch den Eindruck, daß Kinder aus anderen Familien mehr Möglichkeiten haben, da ihre finanzielle Situation besser ist. Malkas Vater hat keine regelmäßige Arbeit, er hat keine berufliche Ausbildung oder Kenntnisse und sein Hebräisch ist nicht gut. Malkas Mutter hat noch nie außerhalb der Familie gearbeitet.

Malka ist bekümmert, daß viele junge äthiopische Juden in Israel die jüdischen Traditionen, denen sie in Äthiopien folgten, verlassen. Aber sie versteht dies als Teil der Veränderungen, mit denen die äthiopische Gemeinde in Israel konfrontiert ist.

Malka ist eine glühende Unterstützerin des Friedensprozesses, hofft aber, daß nicht zu viele Kompromisse wegen der Territorien gemacht werden müssen. Sie sagt: "Wir haben nicht all diese Jahre vom Land Israel geträumt, um jetzt zu beobachten, wie Teile dieses Landes an die Araber gegeben werden.

Dani

Dani kommt aus RischonLeZion, hat einen älteren Bruder, der studiert, und eine ältere Schwester in der Armee. Seine Eltern wurden in Eretz Israel geboren; seine Mutter ist Handelsvertreterin, sein Vater Volkswirtschaftler.

Die Familie war nie religiös, aber als Dani klein war, haben sie immer die Chanukkakerzen angezündet. Für Dani bietet das Leben in Israel Alternativen für die heutigen Juden, vor allem eine nationale Identität.

Dani spielt Gitarre und interessiert sich für Literatur und Musik. In seiner Freizeit gehört er zu einer Band und besucht seine Freunde. Vor einiger Zeit war er noch bei den Pfadfindern, aber jetzt ist er zu alt für solche Aktivitäten, und seine Freunde sind auch nicht dabei. Vor zwei Jahren ist er der Zivilen Garde beigetreten. Seither ist er einmal in mehreren Wochen in verschiedenen Stadtvierteln mit einer Nachtpatrouille unterwegs. Sie trainieren auch Selbstverteidigung, Sicherheit und Überwachung, was wirklich interessant ist.
Dani besucht ein Gymnasium mit Kunstschwerpunkt.

Dani möchte sich in der Armee der Musikgruppe anschliessen, schätzt aber seine Chancen gering ein. So will er es in einer Eliteeinheit versuchen, in der sich der Militärdienst auszahlt. Er glaubt, daß es an der Zeit ist, Kriege zu beenden, normal in Israel zu leben, und daß die Leute dafür stimmen werden, Land für Frieden zu geben. Das ist die einzige Möglichkeit, auch wenn sie nicht perfekt ist.

Josh

Josh ist 18 Jahre alt, hat zwei jüngere Schwestern und einen älteren Bruder. Er lebt mit seiner Familie in Jerusalem, wurde aber in New York geboren und ist vor einigen Jahren eingewandert. Sein Vater ist Dozent, seine Mutter Sozialarbeiterin. Josh besucht eine religiöse Schule. Zu Hause sprechen sie Englisch und Hebräisch.

Josh begeistert sich in der Schule für Geschichte und jüdische Fächer. In seiner Freizeit besucht er einen Jugendklub, wo er sich freiwillig mit behinderten Kindern beschäftigt. Meistens lernt er, verbringt Zeit mit Familie und Freunden, manchmal unternimmt er Wanderungen.

Nächstes Jahr möchte Josh Teil eines Programmes werden, das Lernen in einer Jeschiwa und Militärdienst kombiniert. Es dauert fünf Jahre. Die meisten seiner Freunde sind dabei, und sie werden in eine der guten Einheiten kommen. Für ihn ist es auch wichtig, von Menschen umgeben zu sein, die die religiösen Vorschriften befolgen, denn sonst beginnt man, sie zu vernachlässigen.

Josh denkt, daß er dort Dienst machen wird, wo ihn die Armee hinschickt. Er glaubt aber nicht, daß jeder Zentimeter von Judäa und Samaria für Israel wichtig ist. Leben zu retten hat Vorrang vor dem Festhalten an einem Territorium. Das Volk sollte entscheiden dürfen, ob die Bedingungen eines Abkommens gerecht sind. Vielleicht kommt der Frieden etwas zu schnell, daher ist es notwendig, die Dinge jetzt zu überdenken und Fehler zu vermeiden.

Für ihn ist die Hauptsache, daß Israel als jüdischer Staat anderen Ländern und Völkern ein Beispiel gibt. Dies wäre auch leichter, wenn der Anteil der jüdischen Einwohner höher wäre.

Etti

Etti wurde in Kiriat Schmonah geboren, wohin ihre Großeltern aus Marokko kamen. Sie hat zwei ältere Brüder, beide sind in der Armee. Ihr Vater arbeitet in einer großen Bank, die Mutter ist Kindergärtnerin. Die Familie begeht die jüdischen Feiertage, ist aber nicht orthodox.

Etti besucht die letzte Klasse der Handelsakademie. Viele ihrer Freundinnen haben die Schule bereits verlassen und arbeiten, aber Etti möchte eine qualifizierte Ausbildung. In ihrer Freizeit trifft sie ihre Freunde, sie gehen ins Kino oder fahren nach Haifa. Am Wochenende gibt es Discos und Parties, jeder raucht und trinkt ein bißchen, halten sich aber von Drogen fern. Etti war nie in einem Jugendklub, ihre Freundinnen gehen dort auch nicht hin.

Viele Mädchen gehen nicht in die Armee und schützen religiöse Gründe vor. Etti wird wahrscheinlich in die Armee gehen, erwartet aber, dort eine schwierige und langweilige Zeit zu erleben, obwohl es sozial interessant sein sollte.

Etti ist der Ansicht, daß nur wenige Mädchen in der Armee eine nützliche Aufgabe erfüllen. Aber es ist die Armee, die das Land verteidigt. Ohne sichere Grenzen ist eine solche Verteidigung unmöglich, daher würde eine Rückgabe der Golanhöhen ganz Nordisrael gefährden. Man kann sich auf Abkommen, in denen Terroristen gezwungen werden, ihre Aktivitäten einzustellen, nicht verlassen. Judäa und Samaria sind dasselbe Problem. Wenn die arabischen Staaten wirklich Frieden mit Israel wollen, sollten sie nicht nur Forderungen stellen, sondern wirklichen Frieden anbieten.

Sima

Sima wurde in einer der frühen Siedlungen in Judäa, südlich von Jerusalem geboren. Später sind die Eltern nach Kedumim, Samaria, übersiedelt. Sie ist das älteste von fünf Kindern. Die Familie begeht alle Feiertage, ist aber nicht orthodox. Sima besucht jedoch eine religiöse Schule. Simas Vater ist Ingenieur, die Mutter Apothekerin. Die Eltern wanderten als Kinder aus Rumänien ein, Sima versteht Rumänisch, spricht es aber nicht.

In der Schule mag sie die naturwissenschaftlichen Fächer am liebsten. In ihrer Freizeit arbeitet sie als Freiwillige beim Magen David Adom, der Rettungsgesellschaft. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Leben in der kleinen Gemeinde. Sie lernt Erste Hilfe, Herzmassage, Wiederbelebungstechniken und Geburtshilfe. Sie möchte gerne Medizin studieren. Als Kind ging Sima in den Betar. Sie ist der Meinung, daß Israel sichere Grenzen braucht und einen historischen Anspruch auf das ganze Land hat.

Sima hofft, nächstes Jahr in die Sanität der Armee eintreten zu können, obwohl weniger Frauen als Männer aufgenommen werden. Auch hinsichtlich ihres zukünftigen Berufes wird dies eine wichtige Zeit in ihrem Leben werden.

Beni

Beni ist gerade 18 Jahre alt und lernt täglich 12 Stunden an der Ponowezh Jeschiwa in Bnei Brak. Seine Familie kommt ursprünglich aus Osteuropa, aber seine Eltern wurden in Israel geboren. Er hat vier Brüder und zwei Schwestern, er ist genau das mittlere Kind! Ein Bruder und eine Schwester sind schon verheiratet.

Wenn Beni nicht lernt, hilft er dem Vater im Geschäft. Die Mutter ist Lehrerin. Wie viele seiner Freunde spielt er in der Freizeit mit dem Computer. Das ist eine interessante Beschäftigung. Leider hat er zu Hause keinen Computer, so geht er zu Freunden, oder darf manchmal den Computer in der Jeschiwa benützen.

Beni ist ein ausgezeichneter Jeschiwa Schüler und wird nächstes Jahr weiterlernen; wenn er verheiratet ist, kann er im "Kollel" (der Abteilung für verheiratete Studenten) lernen und unterrichten. Dort kann er auch eine Wohnung bekommen. Viele Ponowezh Studenten absolvieren später - wenn sie zu arbeiten begonnen haben - einen Grundwehrdienst. Beni könnte auch den "Kollel" verlassen, Computer verkaufen, oder etwas Ähnliches.

Jetzt hat Lernen Priorität, lernen so viel wie möglich, nur die Tora wird dem jüdischen Volk Sicherheit gewähren. Jeder Student garantiert so unsere Sicherheit und gibt dem Land Kraft. Die Armee ist wichtig, aber Glauben und Hingabe an Gott geben mehr Sicherheit und werden Israel beschützen. Wie auch immer die Ergebnisse der Friedensverhandlungen aussehen mögen, ob wir Gebiete zurückgeben müssen oder nicht, ist unerheblich.

Das jüdische Volk hat 2000 Jahre ohne Staat überlebt; gemeinsam hier zu sein ist wichtig, aber unser geistiges Überleben ist bedeutender. Leben retten hat Vorrang vor dem Festhalten an einem Land, das in der Geschichte jüdisch war. Und der Wert, der dem Land heute beigemessen wird, ist politisch und ideologisch und nicht spirituell.

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