Jerusalem feiern

Jerusalem Reisen
David Ben Gurion muß eine Entscheidung treffen
Hintergrunddiskussion: Symbolisch gesprochen
Eine der angenehmeren Aufgaben des jungen Staates Israel war es, seine zentralen Symbole zu planen.
Jeder Staat braucht Symbole, um einen Mittelpunkt für nationale Loyalitäten und Emotionen zu gewährleisten. Die Symbole eines Staates - Flaggen, Wappen - werden üblicherweise entworfen, um den emotionalen Effekt auf die Bevölkerung zu maximieren. Die Farben und Muster werden oft nach alten Ideen und Traditionen gewählt, die im Leben des Volkes bedeutend sind und eine emotionelle Resonanz haben.
Die israelische Flagge, zwei horizontale blaue Streifen auf weißem Hintergrund umgeben den Davidstern. Ihre Basis war die offizielle Flagge der zionistischen Bewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts angenommen worden war. Die Flagge selbst wurde im späten 19. Jahrhundert entworfen. Die Bedeutung der Farben, und dies wurde auch am Zionistischen Kongreß, der die Flagge annahm, bestätigt, lag in der Tatsache, daß Blau und Weiß die traditionellen Farben des Tallit sind, "der traditionellen Flagge des jüdischen Volkes". Es war nur natürlich, diese Flagge nach der Unabhängigkeit als offizielle Staatsflagge anzunehmen.
Auch das nationale Emblem, die Menorah, flankiert von zwei Olivenzweigen und dem Wort "Israel", das sie verbindet, wurde am Beginn des Staates übernommen. Das Modell der Menorah, dem ältesten Symbol des jüdischen Volkes, basiert auf der Version des Titusbogens in Rom, jenem Triumphbogen, der von den Römern zur Erinnerung an ihren Sieg über die Juden und die Zerstörung des Tempels und Jerusalems erbaut worden war. Der Bogen zeigt eine Szene, in der die Römer Tempelgeräte wegführen, darunter die Menorah. Was lag dem jungen Staat näher, als die Menorah in das nationale Emblem aufzunehmen, um so die die Idee der jüdischen Souveränität nach 2000 Jahren wieder zu bestätigen. Die Römer zerstörten unsere Souveränität und raubten unsere heiligen Symbole, scheint sie zu sagen. Der Zionismus stellte diese Souveränität wieder her und brachte die Menorah aus dem Exil nach Israel zurück.
Eine andere Entscheidung hat mit den Münzen zu tun. Der Entwurf der ersten Münzen basierte auf Motiven von Münzen, die während der Rebellion gegen Rom oder des Bar Kochba Aufstandes geprägt worden waren. Sie zeigten Pflanzen und Früchte Israels. So wurden durch die Münzprägung die vertikale Verbindung mit der nationalen Vergangenheit und die horizontale mit dem Land der Gegenwart hergestellt.
Ein weiteres Problem war die Frage der Nationalhymne. Hier gab es keine Kontroverse. Obwohl Hatikwah erst 1933 als offizielles Lied der zionistischen Bewegung akzeptiert worden war, war sie immer die inoffizielle Hymne der Zionisten gewesen. Dieses Lied, dessen Worte in den späten Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts vom zionistischen Dichter Naftali Herz Imber geschrieben wurden, und desses Melodie auf einem rumänischen Volkslied basierte, war bei weitem das populärste, das die Bewegung jemals produziert hatte. Versuche, offizielle Wettbewerbe für eine zionistische Hymne zu organisieren, scheiterten wegen der schlechten Qualität der eingebrachten Lieder. Und so wurde Hatikwah die israelische Nationalhymne.
Bezüglich einer Entscheidung von großer nationaler Bedeutung gab es keine Diskussion: Jerusalem. Zu jener Zeit war es allen klar, daß nur Jerusalem die Hauptstadt sein könne. Ben Gurion nannte sie die "ewige Hauptstadt". Und das war Jerusalem seit der Zeit Davids gewesen. Wenn die Auswahl von Symbolen im Volk Emotionen erweckt, so konnte in dieser Hinsicht nichts stärker sein als die Wahl Jerusalems zur Hauptstadt.
Aktivität: Nationale Symbole
(Passend für jüngere Gruppen und Mittelstufe)
Wir schlagen eine Reihe von Aktivitäten vor, um die nationalen Symbole für den neuen Stadt auszusuchen. Die Schlußaktivität kann verschiedene Elemente enthalten.
Teil 1: Symbole entwerfen
- Organisiert einen Wettbewerb, um Wappen, Flagge und Münzen des neuen Staates zu entwerfen. Die Teilnehmer werden (vielleicht von Ben Gurion) einberufen. Der Wettbewerb wird ihnen vorgestellt. Sie tragen eine große Verantwortung. Die Bedeutung von Symbolen wird erklärt.
- Aufteilung in Gruppen. Jede entwirft alle drei Objekte, Emblem, Flagge und Münzen. Die beste Kombination aus allen drei Objekten erhält einen Preis.
- Die Gruppen arbeiten gemeinsam und diskutieren gemeinsam die verschiedenen Ideen. Jeder Gruppe muß Material zur Verfügung gestellt werden. Eine festliche Atmosphäre (Musik!) unterstützt die Arbeit.
- Alle Entwürfe werden ausgestellt, die Preisrichter gehen umher und kommentieren die Werke. Die Teilnehmer erklären ihre Entwürfe.
- Die Preisrichter zeigen Bilder der israelischen Nationalsymbole und erklären, daß diese Entwürfe ausgewählt wurden und warum.
Teil 2: Hauptstadt
- Wir schlagen eine Debatte (zwei Sprecher) über die Lokalisation der Hauptstadt des neuen Staates vor.
- Die Debatte findet 1948 statt, ihr Antrag lautet:
Jerusalem muß die Hauptstadt des neuen jüdischen Staates werden
- Diese Debatte kann dramatisch gespielt werden. Die provisorische Staatsregierung muß eine Entscheidung treffen. Ben Gurion hat sich entschlossen, zwei Minister zu bitten, eine Debatte vorzubereiten, in der alle Für und Wider besprochen werden. Die restliche Gruppe spielt Mitglieder der provisorischen Regierung.
- Ein Faktor, der vor allem vom Gegner des Antrages bedacht werden sollte, ist die Situation Jerusalems 1948. Die Stadt ist geteilt und liegt im Zentrum des von den Arabern bewohnten Gebietes. Ein Blick auf den Teilungsplan von 1947 wird dies bestätigen. Dies wird dem Argument, Jerusalem sei auf einer emotionalen Ebene wichtig, breiten Spielraum geben. Aber in der Realität jener Zeit macht es mehr Sinn, wenn die Hauptstadt im Zentrum des jüdischen Gebietes liegt, wie Tel Aviv. Es könnte nach der Art Jochanan Ben Zakais argumentiert werden, der die Notwendigkeit der Errichtung eines praktischen Zentrums in Jawneh erkannte. Denn auf Jerusalem zu bestehen ist gleichbedeutend mit nationalem Selbstmord. So sollte pragmatisch gedacht werden, wenn der kleine jüdische Staat überleben will. Jetzt ist nicht die Zeit für romantische Gesten.
Die andere Seite des Argumentes lautet: Jerusalem ist das Herz des jüdischen Volkes und repräsentiert das Raison d'être der zionistischen Unternehmung.
Teil 3: Komponieren der Nationalhymne
- Die dritte Aktivität ist der Hymnenwettbewerb, um eine Nationalhymne für den neuen Staat zu kreieren. Die Hymne muß verschiedene ideen widerspiegeln, die die Bewohner an die Bedeutung des Zionismus und des Staates Israel erinnern.
- Die Gruppe wird paarweise oder in kleine Gruppen aufgeteilt und gebeten, die Worte der Hymne zu schreiben. Es kann eine eigene Melodie komponiert oder eine existierende benutzt werden, die Melodie muß aber zu einer Hymne passen. (Kein Popsong, kein Rap!) Die Worte sollen deutlich auf grosses Papier geschrieben werden.
- Die Komponisten erklären ihre Melodien, die Dichter die Worte. Welche Themen werden betont? Danach werden die Hymnen vorgesungen.
- Die Preisrichter suchen ein oder zwei Hymnen als passend aus. Die Gruppe lernt die Lieder.
- Schließlich lehrt der Gruppenleiter Hatikwah und erzählt die Geschichte ihrer Entstehung.
Das
Pädagogik Zentrum
Direktor: Dr. Motti Friedman
Web Site Manager:
Esther Carciente, esthers@jajz-ed.org.il
Deutsche Seiten: Dr. Chani Hinker
Updated: 24.04.2001