Jerusalem feiern

Jerusalem Reisen
Sir Herbert Samuel übernimmt eine unmögliche Aufgabe.
Diskussion - Stellung beziehen
Als die britische Regierung 1917 die Frage der Balfour Deklaration diskutierte, herrschte eine gespannte Atmosphäre im Kabinett.
Die Mehrheit war durch eine Reihe von Faktoren davon überzeugt, daß es wünschenswert sei, die Deklaration heraus zu geben.
Für einige waren Themen imperialer Logik entscheidend. Die Juden in einem jüdischen Heimatland Palästina würden sich in Zukunft als extrem wertvolle Verbündete erweisen und die britischen Interessen in der Region sichern helfen, vor allem die Bedeutung des Suez Kanals für die Briten.
Aber auch weniger wichtige Faktoren spielten eine Rolle. Viele gläubige Christen in Großbritannien fühlten eine grundlegende religiöse Schuld gegenüber den Juden, da das Christentum die Juden in der Vergangenheit schlecht behandelt hatte. Manche fühlten sich dem Land der Bibel tief verbunden und glaubten, die Rückkehr der Juden in ihr Heimatland sei eine Angelegenheit biblischer Gerechtigkeit.
Daher war sich die zionistische Bewegung unter der Führung Chaim Weizmanns sicher, mit dem Marsch der britischen Armee nach Palästina sei die Zeit für die britische Verpflichtung gekommen, die Idee der jüdischen Rückkehr in das Heimatland zu unterstützen.
Aber der Zionismus hatte auch seine Gegner. Nicht jeder in England mochte diese Idee. Viele waren der Ansicht, der Nahe Osten sei arabisches Gebiet. Eine Allianz allein mit den Arabern würde den britischen Interessen am meisten nützen.
Es gab jedoch noch eine andere Gruppe, die den Zionisten weit mehr Sorgen bereitete. Diese Gruppe befand sich im Herzen des britischen Establishments, das dem Zionismus ablehnend gegenüber stand. Diese Leute waren bereit, sehr weit zu gehen, um die Idee der jüdischen Nationalität im historischen Heimatland zu diskreditieren. Diese Leute waren Juden, Vertreter der jüdischen Aristokratie, bestehend aus Familien wie den Samuels oder Montefiores, die vor Generationen in Großbritannien eingewandert waren und sich nun als vor allem britisch betrachteten. Wie die meisten lange in England lebenden Juden sahen sie sich als Teil einer religiösen Gruppe. Ihrer Nationalität nach betrachteten sie sich als Briten. Diese Gruppe war ein leidenschaftlicher Gegner des Zionismus. Zionismus bedrohte sie. Eine Unterstützung der Meinung, Palästina sei das Land der Juden, könnte alle Versuche unterminieren, die Engländer davon zu überzeugen, daß die Juden als Teil der englischen Nation nach England gehörten.
Diese Gruppe von Juden konnte den Zionismus ernsthaft gefährden. In den Monaten, in denen die Balfour Deklaration von der Regierung erwogen wurde, veranstalteten die jüdischen Antizionisten eine Pressekampagne, um den Zionismus im allgemeinen und die Identifikation der britischen Interessen mit dem Zionismus im speziellen in Mißkredit zu bringen.
Einer der Repräsentanten der Gruppe saß im britischen Kabinett: Edwin Montagu, Minister für Indien. Als die Annahme der Balfour Deklaration im Kabinett diskutiert wurde, versuchte er jedes Argument, um die Regierung zu veranlassen, diese Idee abzulehnen. "Es wäre ein Affront gegenüber der jüdischen Gemeinde von England und würde sie in Aufruhr versetzen." Die Absicht war klar: Die Annahme der Deklaration würde sie der dualen Nationalität bezichtigen oder, noch schlimmer, ein Nation innerhalb einer Nation zu sein, gegenüber einem anderen Heimatland loyal.
Montagu schaffte es, daß die Deklaration bei der ersten Diskussion nicht bestätigt wurde. Bei einer zweiten Debatte im Forum des Kriegskabinettes zwei Wochen später schlug Montagu abermals zu. Chaim Weizmann erzählt darüber in seinen Memoiren:
"Als das Problem Palästina dem Kriegskabinett vorgelegt wurde, hielt Edwin Montagu eine leidenschaftliche Rede dagegen ... In dem, was er sagte, war nichts Neues, aber die Vehemenz, mit der er seine Ansichten untermauerte, die Unversöhnlichkeit seiner Opposition erstaunte das Kabinett. Ich verstand, daß er fast weinte.
Als er geendet hatte, schlugen Balfour (der Außenminister) und Lloyd George (der Premierminister) vor, mich zu rufen, und Boten wurden ausgeschickt. Sie suchten mich überall, fanden mich jedoch nicht. ... Ich verpasste eine große Gelegenheit ... Vielleicht war es besser so. Vielleicht hätte ich, mit Montagu vor meinen Augen, etwas Unpassendes oder Herbes gesagt. Vielleicht hätte ich die Dinge verschlechtert, statt verbessert."
Aus: Chaim Weizmann: "Versuch und Irrtum"
Aktivität: Den Zionismus betreffend
Das
Pädagogik Zentrum
Direktor: Dr. Motti Friedman
Web Site Manager:
Esther Carciente, esthers@jajz-ed.org.il
Deutsche Seiten: Dr. Chani Hinker
Updated: 24.04.2001