100 Jahre Zionismus - Chronologie
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1897 |
"In Basel habe ich den Judenstaat gegruendet."
Der erste zionistische Kongress erreichte die Ziele, die sich Theodor Herzl fuer ihn gesetzt
hatte.
Unmittelbar nach dem Kongress schrieb Herzl in sein Tagebuch:
„Fasse ich den Baseler Kongress in einem Wort zusammen - das ich mich hueten werde,
oeffentlich auszusprechen - so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegruendet.
Wenn ich das heute laut sagte, wuerde mir ein universelles Gelaechter antworten. Vielleicht
in fuenf Jahren, jedenfalls in fuenfzig wird es jeder einsehen. Der Staat ist wesentlich im
Staatswillen des Volkes, ja selbst eines genuegend maechtigen Einzelnen (...) begruendet."
Obwohl Herzls Schicksal es anders wollte, und er die Gruendung des Staates Israel nicht
erlebte, so besteht kein Zweifel, dass er in Basel den Grundstein fuer diesen Staat legte.
Der erste zionistische Kongress wurde am Sonntag, den 29. August 1897 in Basel feierlich
eroeffnet.
Ueber 200 Delegierte, Repraesentanten zionistischer Organisationen vieler Laender, nahmen
teil. Herzl war die zentrale Figur in allen Kongressveranstaltungen, er hatte gemeinsam mit Max
Nordau in den Eroeffnungsreden die Ziele des Zionismus dargelegt.
In zahlreichen Debatten wurden Entscheidungen gefaellt, die die Basis fuer alle zukuenftigen
Taetigkeiten der Zionistischen Organisation darstellten.
Formulierung der Grundlagen des Zionismus:
Das „Basler Programm"
„Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer oeffentlich-rechtlich gesicherten Heimstaette
fuer diejenigen Juden, die sich an ihren jetzigen Wohnorten nicht assimilieren koennen oder
wollen."
Als Nationalflagge fuer das juedische Volk
wurde eine blau - weisse Fahne mit dem Magen David angenommen.
Vier Voraussetzungen wurden fuer die Sicherung der nationalen Heimstaette als notwendig
erachtet:
- Besiedlung des Landes in Eretz Israel durch Bauern, Handwerker und Kaufleute.
- Vereinigung der Juden durch lokale und allgemeine Aktivitaeten
in Uebereinstimmung mit dem Gesetz des jeweiligen Landes.
- Foerderung des Zusammengehoerigkeitsgefuehls und des juedischen Nationalbewusstseins.
- Gewinnung aller Regierungen fuer die Verwirklichung der zionistischen Ziele.
Diese Grundlagen waren tatsaechlich ein Kompromiss zwischen den Unterstuetzern
von Herzls Politischem Zionismus und der Chovevei Zion, den Praktischen Zionisten.
Gruendung der Zionistischen Weltorganisation
Folgende Institutionen der Zionistischen Weltorganisation wurden ins Leben gerufen: Der
Zionistische Zentralrat und das Amt des Vorsitzenden, die Zionistische Exekutive und das Amt
des Praesidenten der Zionistischen Weltorganisation.
Richtlinien fuer die Auswahl der Delegierten zum Kongress
Die Basis fuer die Festsetzung dieser Richtlinien war das Prinzip, der Zionistische Kongress
habe den Status einer Nationalversammlung, die das gesamte juedische Volk repraesentiert.
Delegierte zum Kongress sollten gewaehlte Vertreter der juedischen Gemeinden sein.
Gruendung von Koerperschaften zur Unterstuetzung der zionistischen Ziele
- Gruendung einer Nationalbank und
eines nationalen Fonds zur Finanzierung der Taetigkeiten der Zionistischen Bewegung.
- Gruendung des Juedischen Nationalfonds fuer den Kauf von Laendereien in Eretz Israel.
Mit Hilfe des Kongresses plante Herzl:
- Die zionistische Propaganda innerhalb der Juedischen Gemeinden zu organisieren.
- Die notwendigen finanziellen Mittel fuer die zionistische Taetigkeit aufzubringen.
- Die Einwanderung und Siedlung der Juden in Eretz Israel vorzubreiten,
da von der tuerkischen Regierung ein Abkommen in Aussicht gestellt wurde.
Da Herzl das juedische Problem als ein internationales politisches Problem betrachtete,
gestaltete er den Kongress als Juedisches Parlament und verglich seine
eigene Position als Praesident des Zionistischen Kongresses mit der eines Staatsoberhauptes.
Die Bedeutung des Zionistischen Kongresses in Basel
- Der Kongress rueckte den Zionismus endgueltig in den Blickpunkt der Weltoeffentlichkeit.
Hunderte Zeitungen teilten die zionistischen Ideen ihren Lesern mit. („Es ist nun bekannt
geworden, was der Zionismus ist und will.")
- Der Kongress staerkte die ideologische Basis des Zionismus.
- Er war ein wichtiges Treffen zwischen Politischen und Praktischen Zionisten.
- Wie eine Nationalversammlung drueckte der Kongress den Willen des Volkes aus, das - wie
andere Voelker - die Selbstbestimmung anstrebt.
(„Das aber ist das groesste Ergebnis des Kongresses: es hat sich gezeigt, dass der juedische
Nationalgedanke die einigende Kraft besitzt, alle sprachlichen, sozial, politsch und religioes
Verschiedenen zur einheitlichen Masse zusammenzuballen. ... Die Brueder haben sich gefunden.")
- Bis dahin hatte Herzl als Einzelner gehandelt, von nun an sass er einen grossen
Organisation vor, die in der Oeffentlichkeit taetig war.
- Der Politische Zionismus wurde zur Hauptstroemung.
- Da der Kongress als offenes Forum fuer die unterschiedlichen Meinungen diente und auf der
Basis freier Wahlen funktionierte, trug er zur Staerkung des demokratischen Prozesses in der
Zionistischen Bewegung bei.
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Bearbeitung: Dr. Chani Hinker
Updated: 11/12/00