Caesarea
Wenn man durch die Ruinen des antiken Caesarea an der Küste spaziert, bekommt man einen Eindruck antiker Grösse: umgestürzte Säulen, Marmorplatten und Schutt. Erst wenn man in der Mitte des restaurierten Amphitheaters steht, bekommt man eine Ahnung davon, was Caesarea in seinen stolzesten Tagen bedeutete. In diesem Theater wurden die neuesten Produktionen der römischen Welt aufgeführt. Vor zweitausend Jahren spielten hier Schauspieler in den Dramen eines Euripides, Sophokles und anderer grosser, klassischer, Autoren. Auf den Rängen sassen tausende Zuschauer. Manchmal drängte sich hier die Menge, um Spielen, Prozessionen oder Wettbewerben beizuwohnen.
Caesarea wurde als Denkmal römischer Kultur und Macht erbaut. Herodes baute diese Stadt, um sich selbst zu ehren und um die römischen Herren zu glorifizieren. Kein Aufwand und keine Kosten wurden gescheut. Zwölf Jahre lang mühten sich seine Ingenieure und deren tausende Arbeiter ab, um die Stadt in einer Wunder moderner Architektur und Ingenieurskunst zu verwandeln.
Caesaria wurde an der Stelle des älteren Turris Stratonis erbaut. Die neue Stadt, die im Jahre 12 v.d.Z. vollendet wurde, hatte keine Ähnlichkeit mit der kleinen Stadt, die sie ersetzte. Sie war mit den neuesten Zeichen römischer Kultur ausgestattet: Tempel, Theater, Gouverneurspalast und eine Rennbahn. Riesige Aquädukte brachten Trinkwasser. Der Hafen war mit einer solchen technischen Raffinesse gebaut, die sogar die Bewunderung heutiger Ingenieure weckt. Die neue Stadt war wirklich ein Wunder.
In der besten Zeit hatte Caesarea ungefähr 200.000 Einwohner. Es stand 1000 Jahre lang, bis es im 13. Jahrhundert zerstört wurde.
Ein Augenzeuge berichtet über die Grossartigkeit der Stadt
Es gab viele Gebäude aus weissem Stein. Herodes schmückte die Stadt mit den luxuriösesten Palästen und den grössten Gebäuden. Was was war das grösste und mühsamste Werk von allen? Die Krönung war der Hafen, der von den Meereswellen nicht erreicht wurde. Er war nicht kleiner als der Hafen von Athen. Er war ein Beispiel hervorragenden Handwerks, umso bemerkenswerter, da eine solche Struktur an einem ungeeigneten Ort errichtet wurde ... Dies erreichte Herodes, indem er riesige Steine, mehr als 15 Meter lang, 5, 5 Meter breit und 2, 7 Meter tief, in das Meer versenkte, einige 37 Meter tief. Der Wall, den er auf der Seeseite errichten liess, war 61 Meter breit. Die Hälfte des Walls war den Wellen gegenüber positioniert und wurde "Wellenbrecher" genannt. Auf der anderen Hälfte wurden einige Türme gebaut. ...
Entlang des kreisförmigen Hafens standen Gebäude, die meisten aus poliertem Stein. Auf einer gewissen Erhebung wurde ein Tempel errichtet, die von jenen, die auf diesen Hafen zu segelten, schon von Weitem gesehen wurde. Und im Tempel gab es zwei Statuen, eine stellte Rom dar, die andere Cäsr ...
Es gab Untergrundkanäle und Keller, die ebenso aufwendig gebaut waren wie die Gebäude über der Erde. Einige der Kanäle verliefen in gleichmässigen Abständen auf den Hafen zu, einer verlief parallel zum Hafen und verband die restlichen miteinander. So wurden Schmutz und Regenwasser leicht entfernt. Das Meer selbst kam über die Kanäle in die Stadt und wusch sie rein. Herodes baute auch ein steinernes Theater und ein Amphitheater, das eine riesige Zahl von Menschen aufnehmen konnte. Es war für einen Blick auf das Meer positioniert.
(Josephus: Jüdische Altertümer)
Wenn man entlang der zerschmetterten Säulen am Meer in Caesarea geht, versäumt man nur zu leicht ihre Bedeutung. Caesarea war nicht irgendein griechisches oder römisches Zentrum. Caesarea war ein jüdisches Zentrum - ein Monument für eine fremde Kultur, erbaut von einem jüdischen König, dessen Thron mit römischen Waffen aufrecht erhalten wurde.
Und einige verweigerten, sich zu beugen. Andere Antworten auf Rom
Caesarea war nur eine jüdische Antwort auf die römische Kultur. Als er mit der Frage konfrontiert war, welche Kultur er annehmen solle - die jüdische Tradition oder den Hellenismus - hatte Herodes kein Problem. Er nahm einfach beide an. Er baute den Tempel in Jerusalem und Caesarea an der Küste. Aber die meisten Juden wählten entweder das eine oder das andere. Einige assimilierten sich und taten alles, um die Zeichen ihrer Jüdischkeit verschwinden zu lassen - inklusive schmerzhafte Operationen, um die Beschneidung rückgängig zu machen! Aber diese Juden waren die Minderheit. Die meisten wiesen Rom und den Hellenismus zurück und waren Gegner von Roms Herrschaft über Israel.
Aber obwohl den Juden die römische Regierung missfiel, waren sie untereinander uneinig, wie diese Gegnerschaft aussehen solle. Einige riefen zu einer aktiven Revolte auf. Andere betrachteten eine solche Politik als selbstmörderisch und unterstützten Formen passiven Widerstandes. Ihr Zorn jedoch vereinte sie. Zur Explosion brauchte es nur einen Funken.
Der Funken, der die jüdische Revolte gegen Rom auslöste, wurde ironischerweise in Caesarea entzündet. Dort gab es erhebliche Spannungen zwischen der grossen griechisch-römischen und der kleineren jüdischen Gemeinde. Nichtjüdische Bewohner demütigten die Juden oft. Aber der Strohhalm, der im Jahre 66 alles zum Einsturz brachte, war die beleidigende Opferung eines Vogels vor der Türe einer Synagoge. Dies führte zu einem Blitz, der schnell in antijüdische Unruhen ausartete. In wenigen Tagen sollen Tausende getötet worden sein. Die Neuigkeit verbreitete sich rasch und entfachte eine landesweite Revolte gegen Rom. Das Hauptquartier der Revolte befand sich in Jerusalem.
Die römische Legion, die die Revolte niederschlagen sollte, war in Syrien stationiert. Um Jerusalem zu erreichen, musste sie durch Galiläa marschieren. Der Sanhedrin in Jerusalem entsandte einen brillianten jungen Soldaten - Joseph ben Mattitjahu - Josephus. Er sollte die Verteidigung Galiläas vorbereiten. Mit all seiner Brillianz lieferte sich Josephus mitsamt dem galiläischen Bollwerk Jodfat den Römern aus, was ihm unter den Juden den Ruf eines Verräters einbrachte.
Die kleine Stadt Gamla war der letzte jüdische Posten im Norden. Ihr Fall bedeutete die Unterwerfung des Nordens durch Rom.
Josephus
Joseph ben Mattitjahu (oder Josephus, wie er allgemein bekannt ist) ist eine der widersprüchlichsten Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte. Er wurde im Jahr 38 in einer Jerusalemer Adelsfamilie geboren. Seine Mutter war mit den Hasmonäern verwandt. Josephus erhielt eine ausgezeichnete Erziehung. Als er 26 Jahre alt war, entsandte ihn der Sanhedrin nach Rom, um die Freilassung einiger Priester zu sichern, die von den Römern festgehalten wurden. Er blieb eine Weile in Rom, beeindruckt von der dort herrschenden Kultur und Macht.
Kurz nach seiner Rückkehr, sandte ihn der Sanhedrin auf eine andere Mission. Diese Mal sollte er - in den ersten Tagen der Revolte - die Städte in Galiläa gegen die Römer befestigen. Obwohl ihn lokale Eifersüchteleien hinderten, tat er, was möglich war. Trotzdem fiel die Hauptfestung des Galil, Yodfat, nach einer Belagerung von sechs Wochen. Josephus und vierzig andere flohen in eine Höhle. Die Gruppe kam überein, gemeinsam Selbstmord zu begehen, um nicht den Römern in die Hände zu fallen. Durch schlaue Manipulationen gelang es Josephus, einer der beiden letzten zu sein, die am Leben waren. Er überredete seinen Kameraden, sich zu ergeben,
Er wurde gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Aber Josephus gelang es, sich Vespasian und Titus anzubiedern. Das rettete sein Leben. Kurz nach dem Fall Jerusalems, übersiedelte er nach Rom, wo er bis an sein Lebensende blieb. Dort schrieb er seine klassischen Werke, darunter seinen Augenzeugenbericht "Der jüdische Krieg", eine jüdische Geschichte, und die "Jüdischen Altertümer".
Von den Juden wurde er bis an das Ende seiner Tage gehasst und als Verräter betrachtet.
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