Beit Alfa

Beit Alfa

Wenn man in der Synagoge von Beit Alfa steht, dann sollte man zuerst - seltsam zu sagen - auf den Fussboden blicken. Dort sieht man ein schönes Mosaik, voll mit Bildern und Szenen aus der Bibel, wie zum Beispiel die Opferung Isaaks. Aber der eindrucksvollste Teil des Mosaiks ist der grosse Tierkreis mit den Namen und Darstellungen der vertrauten zwölf Zeichen.

Wir kennen nicht die Identität der Künstler, die den Boden fertigten, wir wissen nicht, wer ihre Auftraggeber waren. Wir wissen kaum etwas über die Gemeinde, die sich in dieser Synagoge versammelte. Wäre das Mosaik nicht zufälklig entdeckt worden (von Kibbutzmitgliedern, die dort einen Graben für Drainagen anlegten), hätten wir vielleicht niemals gewusst, dass es dort überhaupt eine Gemeinde gab.

Was kann über die Gemeinde gesagt werden? Aus den Inschriften in der Synagoge, die sich auf Kaiser Justinian beziehen, können wir die Gemeinde in den Anfang des sechsten Jahrhunderts datieren. Der Fussboden zeigt, dass die Menschen, die hier lebten, von der Kultur ihrer Umgebung beeinflusst waren, denn Mosaikböden waren in byzantinischen Kirchen üblich. Kein Zweifel, der Stil wurde kopiert.

Aber ein Tierkreis? Der Tierkreis ist doch kein jüdisches Symbol!

Tatsache ist, dass der Tierkreis aus Persien nach Palästina importiert wurde, zusammen mit anderen astrologischen Lehren. Obwohl von den Propheten verdammt, war Astrologie bei den Juden in den ersten Jahrhunderten populär (wie bei anderen Völkern auch). Bis heute finden wir astrologischen Widerhall in der jüdischen Kultur, zum Beispiel im Ausdruck "Mazal Tov", was "Viel Glück" bedeutet. Das Wort "mazal" bedeutet auch "Tierkreiszeichen".

Wie sie es zuvor mit der kanaanitischen und griechischen Kultur gehalten hatten, schluckten die Juden die fremde persische Kultur als Ganzes, sondern assimilierten und änderten sie. Die Tierkreiszeichen erhielten spezielle jüdische Bedeutungen und Assoziationen. Der Löwe wurde der königliche Löwe Davids, die Zwillingen wurden Kain und Abel, etc.

Hier sehen wir den Chamäleoneffekt: die Juden nahmen oft die kulturellen Farben ihrer Umwelt an, während die spezifische jüdische Identität erhalten blieb. Dies machte ihnen ,öglich, als Juden in einer Vielzahl von verschiedenen Umwelten zu überleben und sich den Zeiten anzupassen, ohne das Wesen des Judentums zu opfern.
Und genau das macht ein Tierkreis in der Mitte eines netten jüdischen Fussbodens.

Der Chamäleoneffekt

Seit der Zeit der grossen Revolte gegen Rom (66) war die jüdische Gemeinde in Israel gezwungen, auf eine Reihe verschiedener Krisen zu reagieren. Jedesmal gelang es ihnen, ein Mittel zum Überleben zu finden. Als jedoch das Christentum Staatsreligion des Römischen Reiches wurde, hatte die Gemeinde keine adäquate Antwort mehr, und die jüdische Gemeinde in Eretz Israel erlebte einen dramatischen Niedergang.

Die Gemeinde verschwand jedoch niemals vollständig. Kleine Gruppen von Juden, die hartnäckig an ihrem Land festhielten, bewahrten ihre Identität, während sie sich den vorherrschenden Einflüssen ihrer Umgebung beugten und viel von der fremden Kultur, die sie umgab, aufnahmen.

Beit Alfa und Peki'in - auf verschiedene Weise - zeigen dieses Phänomen. Die Juden in Beit Alfa waren vom Baustil christlicher Kirchen ebenso beeinflusst wie von anderen kulturellen Strömungen jener Zeit - wie der Astrologie. Beide Einflüsse können in der Synagoge von Beit Alfa entdeckt werden. Aber die Juden passten diese Strömungen so an, dass sie ihre Identität als Juden reflektierten. Sie assimilierten die Einflüsse, assimilierten jedoch selbst durch sie nicht.

Die jüdische Gemeinde von Peki'in hielt die Generationen hindurch an ihrer Identität fest, passten sich ihrer Umwelt an und konnten als Minderheit in ihrer Umgebung leben. Vielleicht verwunderten sie jüdische Reisende, da sie mehr den arabisch sprechenden Bauern glichen als Juden, aber sie gaben ihrer Traditionen von einer Generation zur anderen weiter. Für sie war die Tatsache, dass sie auf ihrem Land geblieben waren, ein immense Quelle des Stolzes.

Nach dem Bar Kochba Aufstand, als die Juden gezwungen wurden, Judäa (das Gebiet um Jerusalem) zu verlassen und nach Galiläa zu übersiedeln, wurde der folgende Ausspruch geprägt, um die Missbilligung mit jenen auszudrücken, die das Land völlig verlassen hatten:

Eine Person, die von Judäa nach Galiläa exiliert wurde, oder von Galiläa nach Judäa, wird nicht als im Exil betrachtet. Wann wird es Exil genannt? Wenn die Person von Eretz Israel in ein anderes Land exiliert wird.

Hätte es dieses hartnäckige Festhalten von Juden an ihrem Land, wie die Generationen von Beit Alfa oder Peki'in, nicht gegeben, wäre vielleicht die Verbindung mit Eretz Israel völlig abgebrochen.

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