Beit She'arim
Zur Zeit des Zweiten Tempels war Beit She'arim eine der vielen kleinen jüdischen Siedlungen in Galiläa. Nach dem Bar Kochba Aufstand (132 - 135), verlagerte sich das Zentrum jüdischen Lebens aus Judäa in den Norden. Der Sanhedrin, der höchste juristische und religiöse Rat der Juden in Eretz Israel, wanderte von Yavne nach Shfaram, von Shfaram nach Usha und ungefähr hundert Jahre nach der Zerstörung des Tempels von Usha nach Beit She'arim.
Die Weisen des Sanhedrin erkannten, dass das jüdische Leben nach der Zerstörung des Tempels einen neuen Schwerpunkt brauchte, um den Anforderungen des Lebens ohne nationales Zentrum gewachsen zu sein. Denn das Volk war zerstreut und die meisten Juden lebten im Exil.
Der Sanhedrin wollte einen Kodex schaffen, um Juden in Eretz Israel und im Exil darzustellen, wie sie sich in jedem Augenblick ihres Lebens verhalten sollten. Obwohl es zuvor verschiedene Richtlinien für das Leben gemäss der Torah gegeben hatte, variierten die Traditionen zwischen den verschiedenen Gruppen und Orten. Der Grund dafür war, dass die Tradition von einer Generation zur anderen mündlich weitergegeben wurde und so oft der menschlichen Vergesslichkeit und Änderungen anheimfiel. Die Führer des neuen Sanhedrin fühlten die Notwendigkeit, einen einheitlichen Kodex zu schaffen, der jeder Gemeinde zeigen würde, wie sie ein jüdisches Leben zu leben hatte.
Daher diskutierten die Weisen alles Erdenkliche, was mit jüdischem Leben im Zusammenhang steht. Ihre Diskussionen dauerten einige Generationen lang. Im Verlauf dieser endlosen Diskussionen, in die unzählige Ideen und Meinungen involviert waren, entwickelten und änderten sich die zentralen Ideen des Judentums. Ein neues Konzept von Nationalität bildete sich aus.
Am Ende des zweiten Jahrhunderts war Jehuda HaNasi (Jehuda der Fürst) das anerkannte Oberhaupt des Sanhedrin. Er schrieb die verwickelten Diskussion, die rund um ihn schwirrten, auf, kategorisierte und ordnete die Kommentare, entschied, welches Argument die Oberhand gewann, und kompilierte so die Mischnah.
Die Mischnah ist ein umfangreiches Werk, bestehend aus sechs Büchern, in denen hunderte Themen abgedeckt werden, von Säen des Feldes bis zum Koschermachen des Huhnes, von der Kindererziehung bis zur Behandlung der Ehefrau. Mit tausenden von Beispielen versucht die Mischnah einen Standard für jüdisches Leben ohne den Tempel festzusetzen. Zuerst wurde auch die Mischnah mündlich tradiert, später wurde sie aufgeschrieben, um zu garantieren, dass das Gesetz gleichförmig blieb. Trotz dieser Verpflichtung zum Geschriebenen werden die Mischnah und der sie erweiternde Talmud immer noch das "Mündliche Gesetz" genannt, ein Verweis auf den Ursprung.
Die Mischnah ist eine Aufzeichnung der Entscheidungen, die schliesslich von den Weisen getroffen wurden. Sie bildet die Basis des strengen Gesetzeskodex, dessen Annahme das Kennzeichen der nächsten Periode jüdischen Überlebens wurde.
Wegen einer Krankheit war Rabbi Jehuda gezwungen, sich in Zippori niederzulassen, und der Sanhedrin ging mit ihm. Als er im Jahr 220 starb wurde sein Leichnam zur Beerdigung nach Beit She'arim zurück gebracht. Nach seinem Tod wurde die Stadt in der gesamten jüdischen Welt bekannt. Viele wollten in Beit She'arim begraben werden, in der Nähe des grossen und berühmten Jehuda HaNasi.
Die Sarkophage in Beit She'arim haben viele Inschriften in verschiedenen Sprachen, hauptsächlich in Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Die Inschriften erzählen uns einiges über das Leben der Menschen, die hier begraben wurden. Sie waren Lehrer, Kohanim, Bankiers, Goldschmiede, Regierungsbeamte, Olfaktoren und - selbstverständlich - Rabbiner.
Beit She'arim ist eine Begräbnisstätte für Juden aus allen Teilen Eretz Israels und aus so entlegenen Diaspora Gemeinden wie Tadmor (Palmyra) und Antiochien in Syrien; Sidon, Tyrus und Beirut im Libanon; und Städten im nördlichen Mesopotamien und Südarabien.
Eine Inschrift lautet:
Hier liegt Atio, die Tochter von Rabbi Gamliel, Sohn des Nehmia. Sie starb als Jungfrau im Alter von 22 Jahren. Und Ation, die Tochter von Rabbi Jehuda, Sohn des Rabbi Gamliel. Sie starb im Alter von neun Jahren und sechs Monaten. Mögen sie mit den Gerechten sein.
Rabbi Jehuda, Sohn des Gamliel kann als Rabbi der dritten Generation der Amoraim identifiziert werden. Er war Patriarch und in seiner Zeit besuchte Kaiser Diokletian (248 - 306) Eretz Israel.
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