Tiberias

Tiberias

Tiberias Tiberias (hebr. Tweriah) liegt ungefaehr in der Mitte des Westufers des Kinneret. Sie ist die groesste staedtische Siedlung im Jordantal und bildet das administrative, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Umgebung.

Tiberias wurde auf den Huegeln, die sich vom Ufer des Kinneret erheben, erbaut und breitet sich auf einer relativ grossen Flaeche aus. Ihr hoechster Punkt liegt ungefaehr 456m ueber dem Spiegel des Sees. Dadurch wechseln sogar innerhalb der Stadt Temperatur, Regenmenge und Vegetation.

Herodes Antipas, ein Sohn des Herodes und Koenig von Juda, gruendete die Stadt im Jahr 17 auf den Resten des biblischen Rakkath (Josua 19,5) und nannte sie Tiberias nach dem damals regierenden roemischen Kaiser Tiberius. 150 Jahre lang blieb die Stadt eine roemische Enklave, deren Verwaltung nach griechischem Vorbild organisiert war und deren Bevoelkerung hauptsaechlich aus Arbeitern und Handwerkern bestand. Nach dem Juedischen Krieges verlegte Agrippas II seine Residenz von Tiberias nach Sepphoris. Nachdem Rabbi Schimon Bar Jochai am Ende des zweiten Jahrhunderts Tiberias zur „reinen" Stadt erklaert hatte, nahm der Sanhedrin hier seinen Sitz. Sein Vorsteher war der Nasi, die hoechste geistliche Autoritaet. Vom dritten Jahrhundert an entwickelte sich Tiberias zum religioesen Zentrum des Judentums. Der Ort hiess nun Tweriah; dieser Name wurde jedoch nicht von Tiberius abgeleitet, sondern vom hebraeischen Wort „tabur" (Nabel), denn die Stadt wurde als „Nabel der Welt" betrachtet. Hier wurden die Mischna (um 200) und der Jerusalemer Talmud (um 400) vollendet.
Bis zur arabischen Eroberung im siebenten Jahrhundert blieb die Stadt der Sitz des Nasi. Im siebenten und achten Jahrhundert war Tiberias die Heimat der Masoreten, der Grammatiker, die eine definitve Vokalisierung des biblischen Textes herstellten, und der Paitanim, der fruehesten Gruppe nachbiblischer Dichter.
Waehrend der Kreuzzuege litt die Stadt betraechtlich, blieb aber so weit intakt, dass sie einen so illustren Besucher wie Moses Maimonides anzog, der sich waehrend seiner letzten Lebensjahre von Aegypten nach Tiberias begab und dessen Grabmal bis heute besteht. 1561 schenkte der tuerkische Sultan Suleiman der Praechtige Tiberias Don Josef Hanassi, der versuchte, die Stadt wieder zu einem juedischen Zentrum zu machen, indem er in Galilaea einen juedischen Staat unter tuerkischer Oberhoheit schuf, der allerdings nicht lange Bestand hatte.
Wirtschaftliche Kraefte favorisierten die Entwicklung des noerdlicher gelegenen Zefat. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann Tiberias als juedische Siedlung wieder Bedeutung zu erlangen.

Lange Zeit lebten in Tiberias die juedische und arabische Bevoelkerung in relativer Herzlichkeit und Toleranz, waehrend des Unabhaengigkeitskrieges, 1948, jedoch flohen alle Araber aus der Stadt und ueberliessen sie den Juden. Seither wurde Tiberias zu einem Hauptzentrum der Absorption neuer Einwanderer. Heute leben hier ca. 34.000 Menschen, die meisten stammen aus nordafrikanischen und osteuropaeischen Laendern.

Die Altstadt von Tiberias liegt am Seeufer, noerdlich davon schliessen sich die neuen Viertel an. Tourismus und Erholung - vor allem im Winter, wenn das Wetter hier warm und sonnig ist - bilden die wichtigste wirtschaftliche Basis der Stadt: der Kinneret, die nahegelegenen heissen Quellen, Ruinen aus der Zeit der Roemer und Kreuzfahrer, die Graeber des Rambam, des Johanan Ben Zakai und des Rabbi Akiba sind die Hauptattraktionen.

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