Die Negev
Die Wüste
Die Zukunft, mein Volk, liegt in der Wüste
(David Ben Gurion)
Bei vielen Besuchern Israels hinterlässt die Wüste den stärksten
Eindruck. Obwohl man in dort auf nicht so viel Geschichte trifft wie in Jerusalem
oder in Galiläa, findet man vielleicht in der
Wüste jenes Israel, dass man sich immer vorgestellt hat: Massada,
Sde Boker oder Ein Gedi.
Der wichtigste Aspekt der Wüste ist für viele Menschen die HITZE!
Danach kommt die erstaunliche Präsenz von Wasserquellen und Oasen.
Im Toten Meer Zeitung lesen oder im Roten
Meer schnorcheln, man ist in einer anderen Welt. Die Wüste ist jene
Region Israels, die sich am meisten von zu Hause unterscheidet, aber sie ist
auch die Heimat tausender. In der Wüste kann man der Zivilisation entfliehen,
sie ist primitiv, weit und beängstigend, aber auch oft inspirierend. Die
Wüste ist voller Kontraste: weites Ödland und üppiges Grün,
unbesiedelte Gebiete neben Städten und Dörfern, antike Stätten
und moderne Siedlungen.
Viele Schlachten fanden in der Wüste statt: von Massada bis zum Unabhängigkeitskrieg.
Aber es gibt auch subtilere Kämpfe: der Kampf ums Überleben, der Kampf
um die Begrünung des Ödlandes, der Kampf um Entwickung und der Kampf
um Bewahrung.
Die folgenden Seiten mögen eine Hilfe sein, die Wüste zu sehen und
zu fühlen - ein Einladung in den spannendsten und vielversprechendsten
Teil Israels.
Woran denkt man, wenn man "Wüste" hört?
Vor allem denkt man an Hitze, endlose Sanddünen und gelegentliche Oasen.
Die Wüsten Israels jedoch sind anders. Tatsächlich gibt es nur wenige
Gebiete mit Sanddünen, vor allem entlang der Mittelmeerküste. Die
Negev und die Judäische Wüste sind vor allem felsige Gebiete, entweder
gebirgig mit kaum Vegetation oder eben (wie die Arava) mit Bäumen und Büschen.
Beide Wüsten werden von Wadis durchquert. (Das arabische Wort "Wadi",
beschreibt ein trockenes Erosionstal, das oft die Form einer Schlucht hat.)
In einigen dieser Wadis gibt es natürliche Quellen, die jedes Jahr wieder
mit Wasser gefüllt werden. Wenn es soweit ist, dann grünt und blüht
es rund um diese dann entstehenden Teiche.
Israel hat zwei richtige Wüsten: die Negev und die Judäische Wüste.
Geographisch gesehen wird die Negev im Norden durch das Tal von
Beer Sheva und das Arava Tal im Osten begrenzt. Die westliche Grenze (zu
Ägypten) ist eher politisch als geographisch, da die Teile der Halbinsel
Sinai, die in die Negev übergehen, ihr sehr ähnlich sind. Die Grenzen
der Judäischen Wüste sind komplexer: im Osten das Jordantal und das
Tote Meer, im Süden die Strasse von Dimona nach Sodom, im Norden Wadi Kelt
und im Westen die Linie, an der jährlich nur bis zu 200 mm Regen fallen.
Diese niedrige Regenmenge ist die Grundbeschreibung von Wüste. Tatsächlich
regnet es in den israelischen Wüsten weniger, ungefähr 100 mm pro
Jahr. Die Negev und die Judäische Wüste sind ausserdem heiss und trocken,
vor allem im Sommer, wo die Temperaturen tagsüber mehr als 40 Grad erreichen
und wo es in der Nacht nur wenig abkühlt.
Der syrisch-afrikanische Grabenbruch
Die Ostgrenze Israels wird von eine Reihe von Tälern gebildet, die ein
Teil des syrisch-afrikanischen Grabenbruches sind, der im Norden Syriens beginnt
und bis Mozambique reicht (6500 km). Dieser Grabenbruch ist ein gigantischer
Sprung in der Erdoberfläche. Er trat erstmals vor 120 Millionen Jahren
auf, aber die am meisten dramatische Periode dieser Formation fand in der prähistorischen
Vergangenheit des Menschen statt, in den letzten 100.000 Jahren. Die Teile dieses
Gebietes, die sich in Israel befinden, sind unter verschiedenen Namen bekannt,
die ihre Charakteristiken ausdrücken. Der gesamte Verlauf des Grabenbruches
weist eine Fülle von unterirdischen Quellen (Frischwasser, Salzwasser,
Schwefel und heisse Quellen), bizarre Land- und Felsformationen auf. Ausserdem
treten immer wieder Erdbeben auf.
Geologen sind der Ansicht, der Grabenbruch sei die natürliche Grenze zwischen
Afrika und Asien. Afrika veschiebt sich entlang des Grabenbruches nach Süden
und Asien nach Norden. Diese Verschiebungen formten einen Grossteil der Geographie
Israels, vor allem in der Negev und in der Judäischen Wüste. Zum Beispiel
verlaufen die meisten Gebirge und Täler der Negev in südwestlich -
nordöstlicher Richtung.
Die Theorie besteht darin, dass die Verschiebung der Kontinente entlang des
Grabenbruches die Topographie stark verändert. Wo die Kontinente zusammenstossen,
bilden sich Berge (zum Beipiel der Hermon), wo die Kontinente auseinander driften,
werden Klüfte geformt, wie das Tal des Toten Meeres.
Felsen
Für Geologieinteressierte, aber auch für Ästheten ist die Wüste
mit ihren schönen Farben und Formen ein faszinierender Ort.
Wegen der geringen Regenmengen ist das Pflanzenwachstum eingeschränkt.
Wenn daher, nach starken Regenfällen in anderen Teilen Israels, die Wasserfluten
durch die Wüste stürzen, kommt es zu Erosion. Felsen werden blossgelegt,
Felsen aus fast jeder geologischen Periode. Jeder dieser Felsen hat seine eigenen
Kennzeichen: Alter, Farbe, Struktur, umgebende Landschaft.
Mineralien
Unter der felsigen Oberfläche der nördlichen und zentralen Negev
liegen reiche Vorräte von Phosphaten und anderen wichtigen Mineralien wie
Gips, Mangan und Kupfer, ebenso unbekannte Mengen Erdgas und Erdöl. Das
Tote Meer enthält riesige Mengen Pottasche und Brom. Diese Gebiete beinhalten
die einzigen natürlichen Bodenschätze Israels.
Fauna und Flora
So wie die Wüsten Israels sich in ihrer Erscheinung und Zusammensetzung
unterscheiden, so ist auch das Vorkommen von Pflanzen und Tieren verschieden.
Die Negev und die Judäische Wüste könnten in zehn Regionen unterteilt
werden, jede mit ihren eigenen Blumen, Bäumen, Vögeln, Reptilien,
usw. Die ganze Wüste ist durch den Kampf ums Überleben gekennzeichnet,
das Überleben unter den Bedingungen grosser Hitze und Wassermangels.Oft
scheint es schwierig, hier Leben zu finden, aber das ist ein Irrtum, der durch
verschiedene Ursachen im Zusammenhang mit diesem Überlebenskampf bedingt
ist. Erstens sind die meisten Wüstentiere in ihrer Farbe der Umgebung angepasst,
matt braun oder gelblich. So ist es möglich, neben einem Felshasen zu stehen
und ihn nicht zu bemerken. Wüstentiere sind ausserdem sehr flink, daher
muss man genau aufpassen, wenn man sie sehen möchte. Diese Faktoren - Farbe
und Geschwindigkeit - sind wichtig, um nicht einem Raubtier zum Opfer zu fallen.
Die meisten Wüstentiere verbringen auch den Tag schlafend in kühlen
Höhlen oder anderen schattigen Plätzen und sind erst in der Nacht
aktiv. Dies ermöglicht das Überleben mit geringen Wassermengen in
der grossen Hitze.
Auch die Pflanzenwelt der Wüste ist reichhaltig, aber auch oft unsichtbar
wegen ihrer Farben und Formen. Wüstenpflanzen entwickelten besonders lange
Wurzeln, um das Grundwasser zu erreichen. Dornige und stachelige Pflanzen entwickelten
eine andere Verteidigungstechnik. Wenn man nicht gegessen wird, hat man eine
Chance, zu gedeihen! Das beste Beispiel für diese Technik ist eine Pflanze
namens Kaper, deren Früchte man man Saucen oder Salaten isst. In der Wüste
wachsen dornige Kapernbüsche aus dem Felsen heraus. Die Beduinen bewundern
sie und nennen sie "Sohn der Wüste". Die Kaper, wie andere Wüstenpflanzen,
produziert eine schöne Blüte. Wenn man die Wüste im Frühling
besucht, sieht man ein Blütenmeer. Das ist ein weiteres Mittel zum Überleben:
Sieh gut aus, zieh Bienen an und du hast eine Chance zur Vermehrung.
Kamele...Kamele...Kamele...
Fast jeder denkt an Kamele, wenn er sich die Wüste vorstellt. Obwohl die
Beduinen nicht mehr viele Kamele züchten, gibt es natürlich immer
noch welche. Diese bemerkenswerten Wüstentiere haben eine typische braune
Färbung, speziell ausgebildete Füsse für jeden Boden geeignet.
Sie essen fast alles, was man sie füttert, und sie können tagelang
ohne Wasser auskommen. Die Kamele sind der Wüste besser angepasst als jedes
andere Tier!
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