Das Gebiet um Latrun
Es gibt zwei Theorien zum
Ursprung des Namens Latrun:
1. Die korrumpierte Form des Namens, den dieses Gebiet von den Kreuzfahrern
erhielt "Le toron des chevaliers" (Schloss der Ritter).
2. Der Name einer Festung, die von christlichen Pilgern "Castellum bonu
Latronis" (Festung des guten Schächers) nach dem guten Schächer,
der mit Jesus gekreuzigt wurde. (Lukas, 23, 40-43).
Latrun liegt im Ayalon Tal,
das die ganze Geschichte hindurch immer als strategischer Punkt galt. Hier teilt
sich die Strasse, die vom Mittelmeer kommt, in zwei Richtungen, die beide nach
Jerusalem führen: eine über Sha'ar haGay (heute die Hauptverbindung
zwischen Tel Aviv und Jerusalem), die andere verläuft weiter nördlich
über Beit Horon.
In diesem Gebiet besiegte
Josua die Amoriter, hier schlug König David die Philister. Ägypter,
Makkabäer und Kreuzfahrer erkämpften sich hier den Weg nach Jerusalem.
Im Unabhängigkeitskrieg von 1948 fand in Latrun der blutigste Kampf zwischen
Israel und den arabischen Armeen um die Kontrolle der Strasse in das belagerte
Jerusalem statt.
Die Polizeistation
Die Polizeistation von Latrun
wurde 1941/42 von den Engländern auf einem niedrigen Hügel, der eine
gute Aussicht auf dieses strategische Gebiet bietet, errichtet.
Nach dem Rückzug der britischen Armee am 14. Mai 1948 wurde die Station
der Arabischen Legion übergeben. Am 15. Mai versuchten zwei Bataillone
israelischer Soldaten die Station zu erobern. Es herrschten jedoch Unordnung
und Verwirrung, und der Vorteil der Dunkelheit wurde verspielt. Diese "Ben
Nun" genannte Operation schlug fehl und 74 israelische Soldaten fielen
in der Schlacht.
In einem weiteren Versuch
am 30. Mai 1948, genannt "Operation Ben Nun B" wurden die israelischen
Angreifer von Geschützen unterstützt, aber die Minenfelder rund um
die Station liessen auch diesen Versuch scheitern. 31 Soldaten verloren ihr
Leben. Nach diesem zweiten Versuch wurde eine alternative Strasse nach Jerusalem
entdeckt und gebaut. Diese Strasse ist als "Burma Strasse" bekannt.
Sie befindet sich südlich der Route durch Sha'ar haGay.
Unter dem Kommando des amerikanischen
Freiwilligen David Marcus wurde die Station in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni
1948 angegriffen, diesmal von der Ostseite. Dieser Angriff wurde "Operation
Yoram" genannt. Auch dieser Angriff scheiterte, diesmal wegen eines Orientierungsfehlers
eines Kompaniekommandanten.
Am 16. Juli griffen während
einer Kampagne gegen den jordanischen Posten im Azalon Tal zwei Bataillone des
Palmach die Polizeistation an. Der Angriff schlug fehl und 19 Soldaten fielen.
Am 18. Juli wurde ein letzter
Versuch zur Eroberung der Station unternommen. Gepanzerte Fahrzeuge bildeten
die Vorhut eines Artillerieangriffes. Durch Kommunikationsprobleme waren sie
zum Rückzug gezwungen und der Angriff wurde abgebrochen. Es gab keine Verluste
an Menschenleben, aber am Ende des Unabhängigkeitskrieges war die Station
immer noch in jordanischer Hand.
Laut Waffenstillstandsabkommen
musste die Strasse von Tel Aviv nach Jerusalem, die von der Station kontrolliert
wurde, für den israelischen Verkehr geöffnet sein. Jordanien respektierte
das Abkommen nicht und so wurde bis zum Sechs Tage Krieg von 1967 eine längere
Route benutzt.
Zwischen 1948 und 1967 war
die Polizeistation von Latrun in einige Zwischenfälle verwickelt, die israelische
Bauern daran hindern sollten, ihre Felder zu bearbeiten.
Am 6. Juni 1967, zu Beginn
des Sechs Tage Krieges, wurde die Station von der Harel Brigade erobert, nachdem
sie wegen des schweren Geschützfeuers von den Jordaniern verlassen worden
war.

Heute ist die Station eine
Erinnerungsstätte für die israelischen Streitkräfte. Ein Museum
wurde eingerichtet, mit einer Ausstellung von ungefähr 120 bewaffneten
Fahrzeugen und Panzern, einer Audio- und Videopräsentation, einer Filmsammlung
und einer computerisierten Erinnerungsstation für Kommandanten, Helden
und Gefallene.
Ein modernes Freilichttheater
wurde errichtet, in dem Veranstaltungen der israelischen Armee, aber auch zivile
Feiern abgehalten werden: