Kiryat Schmonah

Kiryat Schmonah

Wenn man an einem Sommertag durch die Strassen von Kiryat Schmonah wandert, dann scheint die Stadt friedlich. Das Stadtzentrum besteht aus attraktiven Grünanlagen, Geschäften und Wohnhäusern. Es gibt keinen Hinweis auf das Drama, das sich in dieser Kleinstadt im Galil seit ihrer Gründung in den ersten Jahren des Staates abspielte.

Bis in die letzte Zeit war Kiryat Schmonah von grossen Spannungen gekennzeichnet. Viele Jahre lang lebten die Bewohner unter der ständigen Bedrohung durch Artillerie- und Mörserfeuer der PLO und anderer Kräfte, wie Hisbollahterroristen, jenseits der Nordgrenze. Bomben fielen auf die Stadt, es gab Tote. Kinder schliefen oft in Schutzräumen. Wenn man heute an die Tür einer Wohnung klopft, findet man sicherlich, dass sie einen Schutzraum mit verstärkten Wänden enthält. Für gefährliche Zeiten.

Aber seit den ersten Jahren des Staates fand hier noch ein anderer Kampf statt: der um die Bildung einer Gesellschaft.

Kiryat Schmonah war als kommerzielles Zentrum des Oberen Galil beabsichtigt. Dennoch spielte die Stadt niemals diese Rolle wirklich. Wie im Fall vieler in den Fünfzigerjahren gegründeten Entwicklungsstädte, die Neueinwanderer aus arabischen Ländern aufnehmen und absorbieren sollten, war auch Kiryat Schmonah Schauplatz eines Sozialkampfes. Für die meisten sephardischen Einwanderer war der Transfer in ein modernes, westlich orientiertes Israel sehr schwierig. Die Entwicklungsstädte waren die Arena, in dem sich die Tragödien abspielten.

Die Neueinwanderer, die sich in den Entwicklungsstädten niederliessen, fanden, dass sich viele Aspekte des Lebens in Israel von dem in den arabischen Ländern unterschieden. Zum Beispiel waren in "modernen Gesellschaften" die Familien relativ klein. Juden aus arabischen Ländern hatten meist grosse Familien. Es war vor allem schwer für die Neueinwanderer, sich an jene Aspekte des israelischen Lebens anzupassen, die ihre traditionellen Werte zu untergraben schienen. Während beispielsweise die väterliche Autorität in sephardischen Familien höchste Wichtigkeit genoss, wurde dieser Wert im sozialistischen Klima des Jischuw nicht betont. Langsam begann die fremde Kultur die Traditionen der Einwanderer zu beeinflussen. Kinder kamen nach Hause und summten Melodien amerikanischer und britischer Rockstars - Melodien, die sie sicherlich nicht in Marokko gelernt haben konnten!

Zusätzlich zum nahezu totalen Kulturschock erfuhren diese Einwanderer auch einen "Klassenschock". In der Vergangenheit waren sie unabhängige Geschäftsleute gewesen. Nach ihrer Ankunft in Israel wurden sie zu manueller Arbeit angeleitet, zur Arbeit auf den Feldern und in den Werken der Kibbutzim. Die Einwanderer fühlten sich von der "regierenden Elite" der osteuropäischen Pionieraristokratie entfremdet. Jahrelang kämpften sie um Integration.

Kiryat Schmonah illustriert den Versuch, eine jüdische Gesellschaft aus Leuten zu bilden, die völlig verschiedene Geschichten und Hintergründe hatten. Dies bleibt eine der schwierigsten Aufgaben des Staates Israel, mit Härten und Gefahren, die wahrscheinlich ebenso dramatisch sind wie jeder Krieg. Und in Städten wie Kriyat Schmonah geht der Kampf um den Aufbau der Gesellschaft weiter.

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