Enzo Sereni (1905-1944)

Enzo Sereni (1905-1944)

Enzo Sereni (1905-1944) "Wenn ich an Enzo Sereni denke, habe ich nur einen Gedanken: er war einzigartig. Natürlich, er lebte in unserer Mitte, im Kibbutz, in der Politik; er hatte viele Freunde, die ihm nahestanden; er liebte Menschen - und dennoch: Ich habe immer gefühlt, dass er jemand von seiner Art war. Man kann über Enzo nicht sagen: er war einer von denen, die...Niemand war wie er. ... Wenn er nur mit uns in den Jahren unserer Unabhängigkeit hätte leben können. Es gibt Freunde, die von uns gegangen sind, die ich nicht aus meinen Gedanken lassen kann. Das Schicksal war nicht nur mit ihnen grausam, sondern auch mit uns. ... Enzo war einer von ihnen. So viele liebten ihn, die immer noch - nach all diesen Jahren - die Leere verspüren, die er hinterlassen hat. Denn er bedeutete jedem etwas, der das Privileg hatte, mit ihm zu sein"
(Golda Meir)

Geboren in Rom als Sohn einer gut situierten jüdischen Familie - der Vater war Arzt am Hof des italienischen Königs - wuchs Sereni in einem assimilierten Haus auf und kam erst als Teenager mit zionistischen Ideen in Berührung.
Er wurde zionistisch aktiv und war einer der ersten, die in Italien die Rueckkehr nach Zion als soziales Ideal betrachteten.
Nachdem Sereni an der Universität Rom sein philosophisches Doktorat erworben hatte, ging er 1927 mit seiner Frau nach Palästina.

Nach seiner Ankunft arbeitete fuer kurze Zeit in einem Orangenhain in Rechovot, danach gehörte er zu den Gründern des Kibbutz Givat Brenner. Als Vertreter des Sozialismus war er auch in der Histadrut und in Arbeiterorganisationen tätig. Vieles von Serenis Bewunderung für die Ideen des Sozialismus stammte von seiner Abneigung gegen den Faschismus, dem er in Italien ausgesetzt gewesen war.
Enzo Sereni war ein bekannter Pazifist, der während der arabischen Unruhen von 1936 darauf bestand, seinen Wachdienst unbewaffnet zu absolvieren.

In den Dreissigerjahren hielt sich Sereni einige Zeit im Ausland auf, vertrat die Kibbutzbewegung in den Vereinigten Staaten, und von 1931 bis 1934 warb er Anwärter für die Jugendalijah und bildete sie aus.
Im Zweiten Weltkrieg trat er dem britischen Nachrichtendienst bei und wurde eingesetzt, um antifaschistische Propaganda in Ägypten zu verbreiten. Da ihn die Briten auch in den Irak schickten, widmete Sereni einen Teil seiner Bemuehungen geheimen Alijahorganisationen und konnte eine bedeutende Anzahl jüdischer Jugendlicher nach Palästina bringen.
Sereni befremdete viele Briten wegen seines standhaften Zionismus. Er wurde einmal verhaftet, weil er Pässe gefälscht hatte. Um gegen seine Verhaftung zu protestieren, begann er einen Hungerstreik und wurde kurze Zeit später entlassen.

Im späteren Krieg half Sereni beim Aufbau der Fallschirmspringereinheit, die von der britischen Armee und der Jewish Agency gemeinsam organisiert wurde. Das Ziel dieser Einheit war es, in feindliches Territorium einzudringen, um die Bemühungen der Alliierten in Europa zu unterstützen und Kontakte mit Partisanen und Widerstandsgruppen herzustellen, damit den bedrohten jüdischen Gemeinden geholfen werden konnte.

Am 8. September 1943 landeten die ersten alliierten Truppen in Salerno. Die Deutschen okkupierten Norditalien und befreiten Mussolini, der im Juli vom italienischen Konig abgesetzt worden war, aus dem Gefängnis. Die Ereignisse in Italien, die Berichte von den Internierungen der Juden Roms und Norditaliens in Konzentrationslagern, quälten Sereni. Er wusste, dass er nach Italien zu gehen hatte; dies war die letzte Gelegenheit, den Juden und den Italienern zu Hilfe zu kommen. Palästinensische Einheiten kämpften in Süditalien, die römischen Juden standen vor den Toren des Todes und er war in Tel Aviv und schickte andere, die ihr Leben riskierten. Sereni entschied sich für einen Einsatz in Italien. Seine Familie, der Kibbuz, die Jewish Agency, die Briten, alle rieten ihm ab. Ben Gurion erzählte viele Jahre später, dass Sereni kurz vor seiner Abreise zu ihm gekommen sei und ihm erklärt habe, er hätte seine Pläne vor Ben Gurion verbergen müssen, da er wusste, er würde ihn nicht gehen lassen. Mit Bitterkeit erinnerte sich Ben Gurion:

"Was konnte ich machen? Alles war bereits arrangiert und bereit. Sie hatten absichtlich Enzos Mission vor mir geheimgehalten. Ich hätte alles getan, um sie zu verhindern. Ich wusste um die grosse Gefahr, und ich hätte es nicht erlaubt. Es gab keinen Ersatz für Enzo. Es gab niemanden wie ihn. Er war einzigartig. Natürlich wusste ich, wie wichtig es war, Kontakte mit den Juden in Europa herzustellen, aber alles hat seinen Preis."
Sereni ging mit anderen Fallschirmspringern nach Bari, wo er einen Schnellkurs absolvierte. Sereni sprang gemeinsam mit einem italienischen Kameraden ab 15. Mai 1944 über Florenz ab. Sereni verschwand kurz nach seiner Landung. Aus britischen Berichten geht hervor, dass die beiden durch starken Wind abgetrieben worden waren und weit vom vorbestimmten Ziel ankamen. Sereni fiel in die Hände einer Einheit der Organisation Todt, die in der Nähe für die Deutschen Befestigungen baute. Die Briten hatten von der Existenz dieser Einheit keine Ahnung gehabt.
Die Deutschen brachten Sereni in ein Gefängnis in Verona, wo er gefoltert wurde. Später kam er in das politische Durchgangslager Bozen in der Katastralgemeinde Gries am Brenner. Am 8. Oktober leerten die Deutschen dieses Lager und deportierten die Insassen nach Dachau.
Dort wurde Enzo Sereni am 18. November 1944 ermordet.

Am 29. Juli 1954 nahmen Enzos Sohn Daniel und dessen Frau in der Nähe des Kinneret an einer Gedenkfeier für die Fallschirmspringer teil. Ein Flugzeug stürzte in die Menge und tötete fünfzehn Personen, darunter Daniel und Orfrah.

Der hochgebildete und einfallsreiche Sereni ist auch der Autor einiger Bücher. Sein Werk über Juden und Araber in Palästina erschien 1936, zwei Bücher wurden posthum veröffentlicht, eines davon behandelt die Wurzeln des italienischen Faschismus. Er schrieb dieses Buch für die Jugend, die das Aufkommen des Faschismus nicht erlebt hatte.

 

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