Palaestinensische
Befreiungsorganisation - PLO - Palestine Liberation Organization
-
Die PLO wurde im Mai 1964 anlaesslich eines palaestinensischen Kongresses
in Ostjerusalem, das damals jordanisch war, gegruendet. Der Gruendung
waren intensive Anstrengungen von Ahmad al-Shuqeiri, dem Vertreter der
palaestinensischen Araber in der Arabischen Liga, vorausgegangen. Die
Fuehrung der verschiedenen palaestinensischen Gruppen, die bis dahin als
geheime Widerstandsbewegungen agiert hatten, sollte zentralisiert werden.
Nach dem israelischen Unabhaengigkeitskrieg vom 1948/49 uebernahm vor
allem Aegypten eine Fuehrungsrolle im Kampf gegen Israel. Die Palaestinenser
waren in verschiedene Laender zerstreut worden, sie hatten keine organisierte
Fuehrung und ihre politischen Aktivitaeten waren daher eingeschraenkt.
Obwohl die zweite Arabische Gipfelkonferenz, die im September 1964 in
Alexandria stattfand, die Gruendung der PLO befuerwortete, blieb sie eine
bei Palaestinensern und arabischen Staaten umstrittene Organisation.
Erst nach dem Sechs Tage Krieg wurde die PLO als Vertreterin der Palaestinenser
und Foerderin einer besonderen palaestinensischen Ideologie anerkannt.
Ein Palaestinensischer Nationalrat wurde als oberste Koerperschaft bzw.
als eine Art Parlament eingerichtet und ein Exekutivekomitee wurde gebildet,
um die Taetigkeiten der PLO zu leiten.
Anfangs bestand der Palaestinensische Nationalrat aus zivilen Vertretern
verschiedener Gebieten, inklusive Jordanien, der Westbank und den Golfstaaten.
1968 kamen Repraesentanten von Untergrundorganisationen hinzu. (Einige
Jahre vor der Gruendung der PLO enstand die Palaestinensische nationale
Befreiungsbewegung, die unter dem Namen „Al-Fatah" bekannt wurde. PLO
und AL-Fatah bildeten Guerillaeinheiten fuer Ueberfaelle auf Israel aus.
Zusaetzlich zur Al-Fatah entstanden in den Sechzigerjahren eine Reihe
weiterer einflussreicher Guerillaorganisationen. Diese Gruppen schlossen
sich trotz unterschiedlicher Ideologien der PLO an.)
1969 wurde Yasser Arafat, der Fuehrer der
Al-Fatah, zum Vorsitzenden der PLO Exekutive ernannt und so Chef der palaestinensischen
Freiheitsbewegung.
Ab den spaeten Sechzigerjahren organisierte die PLO von ihren Stuetzpunkten
in Jordanien aus Terrorangriffe auf Israel. Sie kam dadurch in einen Konflikt
mit der jordanischen Regierung und mit Koenig Hussein, den die PLO verdaechtigte,
auf ihre Kosten ein direktes Uebereinkommen mit Israel erreichen zu wollen,
da er mit den israelischen Repressalien zu kaempfen hatte, die seinem
Land Schaden zufuegten. Die Spannungen zwischen PLO und der koenigstreuen
jordanischen Armee fuehrten im September 1970 zu einem kurzen und blutigen
Buergerkrieg, der unter dem Namen "Schwarzer September" bekannt wurde.
1971 wurde die PLO gewaltsam von der jordanischen Armee vertrieben.
Das Hauptquartier der PLO wurde in den Libanon verlegt, wo sie ihre Aktivitaeten
verstaerkte. Wie in Jordanien war auch im Libanon die Anwesenheit hundertausender
Palaestinenser eine stetige Spannungsquelle. Palaestinenser hatten weniger
Rechte, arbeiteten um weniger Lohn und unter schlechteren Bedingungen.
Terroristen fuehrten weiterhin Anschlaege auf Israel durch, die Israel
vor allem im Suedlibanon mit Gegenangriffen beantwortete. Auch die libanesische
Regierung versuchte, die Terroraktivitaeten zu bekaempfen, was zu gelegentlichen
Gefechten zwischen der libanesischen Armee und den Terroristen fuehrte.
1973 bedeutete ein israelischer Angriff auf das Hauptquartier in Beirut
einen schweren Schlag fuer die PLO, da drei ihrer Fuehrer getoetet wurden.
In der Folge ueberfiel die libanesische Armee Guerillastuetzpunkte und
Fluechtlingslager im ganzen Land. In einem Abkommen wurde von den Palaestinensern
gefordert, ihre Aktivitaeten auf die Grenzgebiete zu Israel zu beschraenken.
Nach 1973 uebersiedelten viele Palaestinenser aus dem Libanon und Jordanien
in die arabischen Oelstaaten
. Ab 1974 unterstuetzte Arafat den Rueckzug der PLO aus dem internationalen
Terrorismus ausserhalb Israels und arbeitete an der weltweiten Anerkennung
der PLO als der legitimen Vertreterin des palaestinensischen Volkes. Im
Oktober akzeptierten die arabischen Staaten anlaesslich ihrer Gipfelkonferenz
in Rabat die PLO als legitime Vertreterin der Palaestinenser. Im November
erschien Arafat auf Einladung der Vereinten Nationen vor der Generalversammlung.
Die Entscheidung der arabischen Staaten hatte Einfluss auf die Entwicklung
des Friedensprozesses. Die Haltung Israels gegenueber der PLO war aeusserst
ambivalent.
1975 verpflichtete sich die Regierung der USA, keinen Kontakt mit der
PLO aufzunehmen, solange diese Organisation nicht dem Terrorismus abgeschworen
und die UN Resolutionen 242 und 338 anerkannt habe. Die PLO lehnte einen
solchen Kompromiss ab, solange sie nicht als gleichwertiger Partner im
arabisch-israelischen Friedensprozess akzeptiert
wuerde.
Nach fortgesetzten palaestinensischen Angriffen aus dem Suedlibanon marschierte
Israel im Juni 1982 in den Libanon ein und belagerte Beirut. Diese Belagerung
endete im August 1982 mit der Vertreibung der PLO aus Beirut und ihrem
Rueckzug nach Tunis. Teile palaestinensischer Truppen wurden im Sudan,
im Jemen und im Suedjemen akzeptiert. Dies bedeutete den Verlust der militaerischen
Kraefte, die politische Schwaechung und den drohenden Untergang. Innerhalb
der PLO wuchs die Unzufriedenheit mit Arafats Fuehrung nach dem Rueckzug
nach Tunis und nachdem 1983 von Syrien unterstuetzte PLO Rebellen mit
Hilfe der syrischen Truppen die restlichen militaerischen Kraefte Arafats
aus dem Libanon gezwungen hatten. Es gelang Arafat, die Hilfe einiger
arabischer Fuehrer zu erlangen und seine PLO Fuehrung zu festigen.
Die Intifada, die im Dezember 1987 im Gazastreifen und in der Westbank
ausbrach, ueberraschte die PLO und bedrohte ihre Autoritaet ueber die
Palaestinenser im "Heimatland". Am 15. November 1988 verkuendete die PLO
die Gruendung eines unabhaengigen Palaestinensischen Staates auf der Basis
der UN Resolution 181 aus dem Jahr 1947 ueber die Teilung Palaestinas.
Einen Monat spaeter sagte Arafat oeffentlich dem Terrorismus ab und anerkannte
die UN Resolutionen 242 und 338.
Das Dilemma der PLO ist, entweder den bewaffenten Kampf aufzugeben und
am politischen Prozess festzuhalten oder beide Moeglichkeiten auf der
Tagesordnung zu belassen.
Ein Beispiel fuer dieses Dilemma war Arafats unterstuetzende Haltung gegenueber
dem Irak waehrend der Golfkrise 1990/91. Dies fuehrte zur Entscheidung
der Golfstaaten, die finanzielle Hilfe fuer die PLO und die Palaestinenser
in den besetzten Gebieten einzustellen.
Der Aufstieg der Hamas, einer palaestinensisch-islamischen Widerstandbewegung
gegen Israel, in den besetzten Gebieten und ihre Ablehung, sich gemaess
Arafats Bedingungen der PLO anzuschliessen, fuehrte dazu, dass sich die
PLO Israels Bedingungen fuer die Teilnahme palaestinensischer Delegierter
aus den besetzten Gebieten und nicht der PLO bei der Konferenz von Madrid
fuegen musste. Trotzdem wurden die palaestinensischen Delegierten waehrend
der Gespraeche von der PLO instruiert.
Im Fruehjahr 1993 begannen inoffizielle Vertreter der PLO und Israels
Wege zu suchen, um die festgefahrenen Friedensgespraeche fortzusetzen.
Geheimgespraeche in Oslo fuehrten bald zu offiziellen Verhandlungen. Im
August informierte Arafat den israelischen Ministerpraesidenten Jitzchak
Rabin, die PLO sei dem Friedensprozess im Nahen Osten verpflichtet,
anerkenne die UN Resolutionen 242 und 338. Einige Wochen spaeter wurde
in Washington die Grundsatzerklaerung unterzeichnet, eine gegenseitige
Anerkennung beider Parteien. Die PLO wurde von Israel und den USA als
Repraesentantin des palaestinensischen Volkes anerkannt.
Im Jaenner 1996 wurden Wahlen der Palaestinensischen Autoritaet abgehalten,
in denen Arafat zum Vorsitzenden gewaehlt wurde. (siehe auch: Kampf
und Verteidigung - Die Palaestinenser) |